Zum Thema: Lasst die eSports-Spiele beginnen

«Hat alles, was Profisport hat»

Heinrich Zetlmayer, eSports-Investor, über die noch junge Szene.

Heinrich Zetlmayer betätigt sich als Investor, unter anderem hat er die eSports-Szene im Blick. Für ihn handelt es sich dabei längst um eine Profisportart.

Spielen Sie selbst?
Nur wenig, ehrlich gesagt. Nach meiner Zeit bei IBM (IBM 134.05 -7.63%) Schweiz habe ich mich auf den Turnaround bei familiengeführten sowie wagniskapitalfinanzierten Unternehmen spezialisiert. So bin ich 2010 als Co-CEO zu Turtle Entertainment gekommen. Aber natürlich habe ich eine Beziehung zu Spielen: In meiner Generation wurde das Genre erfunden.

Die eSports-Szene will Sportart sein. Wie steht es um diese Bemühungen?
Die Szene ist längst eine Milliardenindustrie und hat alles, was eine professionelle Sportart ausmacht: bezahlte Spieler, Preisgelder in Millionenhöhe, Übertragungen an ein Millionenpublikum inklusive Medienrechte.

Egoshooter, gerne Killerspiele genannt, sind jedoch mit einem Stigma behaftet.
Die Branche bemüht sich sehr, die Angst vor solchen Spielen zu nehmen. Wir haben beispielsweise spezielle Events für Politiker oder Eltern veranstaltet. Mehr Verständnis für Computerspiele generell verspreche ich mir auch durch Augmented Reality: Wenn also in Echtzeit Erklärungen und Informationen eingeblendet werden, um Spiele für Aussenstehende verständlicher zu machen.

Wie weit ist die Schweizer Szene?
Sie war im europäischen und natürlich im Weltvergleich bislang eher überschaubar. Doch die Zahl der Fans und der Veranstaltungen wächst. UPC Cablecom und Swisscom (SCMN 450.6 1.26%) haben den Bereich als Sponsor entdeckt. Die Schweiz hat meiner Meinung nach das Potenzial für ein Stadium-Event. Dafür bräuchte es nur noch ein paar Sponsoren mehr.

Ist eSports interessant für Investoren?
Viele Sponsoren haben in Teams investiert. Die heissen statt FC Bayern oder Real Madrid wie im Fussball dann SK Gaming oder Fanatic. Die Unternehmen, die in der Szene aktiv sind, sei es als Spieleentwickler oder Spieleverlag, ziehen im derzeitigen Stadium vor allem Wagniskapitalgeber an. Es sind nur wenige kotiert. Es mischen allerdings auch schon Grosse mit: Denken Sie nur an Amazon (AMZN 1831.73 0.65%). Dort hat man das Thema früh erkannt und vor vier Jahren die Streaming-Plattform Twitch gekauft, auf der Spiele übertragen werden.

Gibt es innerhalb des eSports-Sektors besonders attraktive Bereiche derzeit?
Das scheint mir gut balanciert. Es tauchen stets neue Spiele auf, die rasch populär werden. Denken Sie nur an Fortnite. Dieses Spiel wurde erst im vergangenen Sommer lanciert, dominiert aber nun die Gespräche von Spielern. Das hält den Sektor frisch – und macht ihn attraktiv für Sponsoren. Heute engagieren sich vor allem Computer- und Hardwarehersteller. Für andere Unternehmen wird es wichtiger.

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