So sah bei den alten Griechen die Intensivstation aus. Das Asklepieion auf der Insel Kos ist eine der bedeutendsten, in Ruinen erhaltenen Anlagen dieser Art: ein Heiligtum, geweiht Asklepios, dem Gott der Heilkunst. Gewöhnlich war dem sakralen Bezirk ein Sanatorium angeschlossen. Kuriert wurden daselbst die Kranken nicht von Ärzten, sondern von Priestern. Die Siechen und Gebrechlichen reinigten zunächst den Geist durch Fasten und den Körper durch Waschen. Dazu erklang Musik, und durch den Tempel wanden sich Schlangen. Dann wurde dem Gott ein Opfer dargebracht, worauf die Patienten (ganz in Weiss – in der Neuzeit eher die Farbe der medizinischen Halbgötter) sich ins Allerheiligste zurückzogen: zum Heilschlaf. Wer dort Linderung suchte, legte sich auf eine Bettstatt, die Kline, die heute noch im ­Begriff Klinik durchschimmert. Im Traum erschien den Leidenden Asklepios und gab ihnen das probate Mittel ein. Die ­erquickt Erwachenden schrieben den Tipp auf und übergaben das Rezept den Priestern. Meist hiess das: Fasten, Wasserkur, Gymnastik, mitunter Operation oder Medikament. Tja, der Glaube an die Heilung ist eine selbsterfüllende Prophezeiung, und den Seinen gibt’s der Herr im Schlafe. (Bild: Marc De Ganck/Keystone)