Meinungen

Heisser Dezember

Am 3. Dezember wird die EZB ihr Anleihenkaufprogramm ausweiten. Die SNB-Direktoren werden beten, dass die US-Notenbank die Zinsen erhöhen wird. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Mark Dittli.

«Ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht am 4. Dezember könnte Yellen dazu bewegen, abermals zuzuwarten.»

Der Dezember wird heiss. Zumindest aus geldpolitischer Sicht. Am 3. des Monats wird die Europäische Zentralbank voraussichtlich eine Ausweitung ihrer unkonventionellen quantitativen Geldpolitik beschliessen.

Am gleichen Tag wird die Vorsitzende der US-Notenbank, Janet Yellen, im Kongress in Washington auftreten. Zwei Wochen später, am 16. Dezember, dürfte der Offenmarktausschuss des Fed sodann die erste Zinserhöhung seit bald zehn Jahren beschliessen. Eine Divergenz zeichnet sich ab: Die EZB öffnet die Schleusen, das Fed tritt sachte auf die Bremse.

Für die Schweizerische Nationalbank ist der 3. Dezember ein Schlüsselereignis. EZB-Präsident Draghi lässt keinen Zweifel an seiner Absicht, den Euro mit Gewalt abzuschwächen. Der Franken wird unter Aufwertungsdruck geraten. Im Januar 2015, als die EZB ihr Quantitative-Easing-Programm startete, kapitulierte die SNB (SNBN 4275 0.59%) eine Woche zuvor, hob die Mindestkursgrenze von 1.20 Fr./€ auf und verschärfte die Negativzinsen.

Wird es diesmal reichen, wenn die SNB am Devisenmarkt interveniert, um den Euro im inoffiziell angestrebten Band zwischen 1.05 und 1.10 Fr./€ zu halten? Oder wird sie die Negativzinsen weiter senken? Wir werden sehen. Bislang bleibt das SNB-Direktorium im Hinblick auf den 3. Dezember jedenfalls verdächtig stumm.

SNB-Präsident Thomas Jordan wird innigst hoffen, dass das Fed die Zinsen erhöht. Eine Aufwertung des Dollars würde Druck vom Franken nehmen. Ein Zinsschritt des Fed ist jedoch alles andere als sicher. Ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht am 4. Dezember könnte Yellen dazu bewegen, abermals zuzuwarten. Sollte dieser aus heutiger Sicht zwar wenig wahrscheinliche, aber trotzdem nicht unmögliche Fall eintreten, wird die SNB rasch wieder in heftigen Turbulenzen stehen.