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Heisser Herbst

Italien und Spanien sind politisch blockiert, Deutschland vielleicht auch bald. Schlecht für die Eurozone. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Manfred Rösch.

«Die dritt- und die viertgrösste Volkswirtschaft der Eurozone sind politisch blockiert, die grösste könnte es bald auch sein.»

Italien hat vielleicht bald die Qual der Wahl. Jedenfalls wenn es nach dem Willen des Lega-Chefs Matteo Salvini geht. Er will raus aus der zerrütteten Koalition mit der Fünf-Sterne-Bewegung – nach nur gut einem Jahr. Die Lega würde vorgezogene Neuwahlen wohl gewinnen, wenngleich keine Mehrheit holen.

Möglich, dass auch Spanien schon bald wieder wählen muss. Wenn Pedro Sánchez, der Ende April die Wahlen mit knapp 29% gewonnen hatte und als geschäftsführender Ministerpräsident fungiert, bis zum 23. September keine Mehrheit hinter sich scharen kann, wird das Parlament automatisch aufgelöst.

Die dritt- und die viertgrösste Volkswirtschaft der Eurozone sind politisch blockiert, die grösste könnte es bald auch sein. Anfang September bzw. Ende Oktober werden in Deutschland die Landtage von Brandenburg, Sachsen und Thüringen gewählt. Die auf Bundesebene contre cœur koalierenden Parteien CDU und SPD dürften aufs Dach kriegen. Die gegenwärtig führungslos serbelnde Sozialdemokratie könnte die Notbremse ziehen und aus der für sie fatalen «grossen Koalition» aussteigen. Kanzlerin Merkels Sturz, Bundestagswahlen und eine heikle Regierungsbildung – Schwarz-Grün? – wären die Folgen.

Solche Szenarien belasten das Vertrauen in die Währungsunion. Erst recht, wenn nach dem vorgesehenen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU am 31. Oktober ein vertragsloser Zustand droht. Übrigens flirtet auch Neu-Premier Boris Johnson mit Unterhauswahlen. Am 20. Oktober wählt die Schweiz. Das Gefüge wird stabil und der Franken ein sicherer Hafen bleiben. Es wird nicht leichter für die Nationalbank.

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