Meinungen 16:15 - 16.03.2016

Helikoptergeld für Inflation

«Helikoptergeld landet direkt bei den Haushalten und muss nie zurückgezahlt werden.»
Ein geldpolitisches Wundermittel heilt die Deflation und schickt Schulden in die Vergessenheit. Wir könnten davon abhängig werden. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Philippe Béguelin.
Portrait of Milton Friedman
Aufgenommen von: The Friedman Foundation for Educational Choice
Lizenz: Creative Commons Zero, Public Domain Dedication

Milton Friedman (* 31. Juli 1912 in Brooklyn, New York City; † 16. November 2006 in San Francisco) war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, der fundamentale Arbeiten auf den Gebieten der Makroökonomie, der Mikroökonomie, der Wirtschaftsgeschichte und der Statistik verfasste. Er erhielt 1976 den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Leistungen auf dem Gebiet der Analyse des Konsums, der Geschichte und der Theorie des Geldes und für seine Demonstration der Komplexität der Stabilitätspolitik. Friedman wird neben John Maynard Keynes als der einflussreichste Ökonom des zwanzigsten Jahrhunderts angesehen.

Friedman, der sich selbst als klassischen Liberalen betrachtete, hob besonders die Vorteile eines freien Marktes und die Nachteile staatlicher Eingriffe hervor. Seine Grundhaltung kommt in seinem Bestseller Kapitalismus und Freiheit (1962) zum Ausdruck. Darin forderte er die Minimierung der Rolle des Staates, um politische ...

Lesen Sie weiter unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Milton_Friedman

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Milton Friedman aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

John Maynard Keynes. Detail of a photograph with Jan Christian Smuts.
Aufgenommen von: Unbekannt
Lizenz: Public domain

John Maynard Keynes, 1. Baron Keynes [keɪnz] (* 5. Juni 1883 in Cambridge; † 21. April 1946 in Tilton bei Firle, East Sussex) war ein britischer Ökonom, Politiker und Mathematiker. Er zählt zu den bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und ist Namensgeber des Keynesianismus. Seine Ideen haben bis heute Einfluss auf ökonomische und politische Theorien.

Leben

Keynes wurde als Sohn des Professors für Politische Ökonomie, John Neville Keynes, und seiner Frau Florence Ada Brown geboren. Ab 1897 besuchte er die renommierte Privatschule Eton. Nach Abschluss der Schulzeit nahm Keynes ein Studium am King’s College in Cambridge auf. Auf Grund seines hervorragenden Schulabschlusses kam er in den Genuss eines Stipendiums an der Universität. Keynes begann ein Studium der Mathematik, Philosophie, Geschichte und zum Teil der Ökonomie, soweit sie zum ...

Lesen Sie weiter unter
http://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel John Maynard Keynes aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Official portrait of Federal Reserve Chairman Ben Bernanke.
Aufgenommen von: United States Federal Reserve
Lizenz: Public domain

Ben Shalom Bernanke [bɛn bɝˈnæŋkɪ] (* 13. Dezember 1953 in Augusta, Georgia) ist ein US-amerikanischer Ökonom. Von 2006 bis Anfang 2014 war er in der Nachfolge von Alan Greenspan Präsident des Federal Reserve Board (Notenbankchef). Im April 2015 wurde bekannt, dass Bernanke einen Beraterposten beim Hedgefonds Citadel angenommen hat. Er ist zudem als Berater für die US-Investmentgesellschaft Pimco tätig.

Leben

Bernanke entstammt einer jüdischen Familie, die nach dem Ersten Weltkrieg aus Süd-Ost Polen (Przemyśl) in die Vereinigten Staaten einwanderte. Sein Vater Philip war Apotheker und seine Mutter Edna Grundschullehrerin. Er hat eine Schwester und einen Bruder.

Bernanke ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Lehre und Forschung (bis 2002)

Nach seinem ...

Lesen Sie weiter unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Ben_Bernanke

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Ben Bernanke aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Bilanz
Periodische Gegenüberstellung sämtlicher Aktiven und Passiven an einem Stichtag. Die Aktivseite gibt Aufschluss über die Verwendung der Mittel, während die Passivseite über die Beschaffung der Mittel (Finanzierung) orientiert. Teil des Geschäftsberichts .
Deflation
Breit angelegter Rückgang des Preisniveaus in einer Volkswirtschaft , nicht nur in einzelnen Branchen (z. B. Informatik). In der Regel geht sie mit einer Rezession einher, weil es sich lohnt, Geld zu horten, statt zu investieren und zu konsumieren, da Güter und Dienstleitungen laufend günstiger werden und der Realzins unattraktiv hoch ist.
Eigenkapital
Der Teil des Gesamtkapitals, der den Aktionären gehört und ihnen im Fall einer Geschäftsaufgabe ausgezahlt wird. Aus Sicht der Aktionäre besteht die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens darin, auf dem Eigenkapital eine risikogerechte Rendite zu erwirtschaften (vgl. Eigenkapital der Banken ).
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Industrieländer
An und für sich überholte Bezeichnung für hochentwickelte Staaten, überwiegt dort heute doch der Dienstleistungssektor. Die Industriestaaten sind in der OECD zusammengefasst.
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Inflationsziel
Geldpolitisches Konzept der Zentralbanken in Grossbritannien, Schweden etc. Die Aufgabe ist, die monetären Bedingungen so auszurichten, dass die tatsächliche Inflationsrate so nahe wie möglich an das fixierte Inflationsziel (Bank of England: 2%, Riksbank: 2% +/–1 Prozentpunkt) heranreicht. Die Teuerung muss also nicht so tief wie möglich ausfallen. Die EZB orientiert sich ebenfalls an einem versteckten Inflationsziel, «nahe, aber knapp unter 2%».
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Konsumentenpreise
Entwicklung der Preise der für den Alltag der Privathaushalte wichtigsten Waren und Dienstleistungen, von Benzin über Wohnungsmieten bis zum Kinoticket (aber ohne Krankenversicherungsprämien), monatlich erfasst im Landesindex der Konsumentenpreise. Zielgrösse der Definition von Preisstabilität der SNB .
Laufzeit
1. Lebensdauer eines Derivats oder einer Obligation . 2. Frist im Optionsgeschäft, während deren eine amerikanische Option ausgeübt werden kann.
Liquidität
1. Fähigkeit eines Unternehmens zur fristgerechten Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen. Als Liquiditätskennzahlen gebräuchlich sind die Cash Ratio, die in Prozenten ausdrückt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel gedeckt ist, die Quick Ratio, die zeigt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel und Forderungen gedeckt ist, und die Current Ratio. Letztere setzt alle Aktiven des Umlaufvermögens ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. 2. Hohe Marktgängigkeit eines Wertpapiers, die auf der Vielzahl der im Umlauf befindlichen Titel und einer engen Geld-Brief-Spanne gründet.
Monetarismus
Auf Milton Friedman zurückgehender wirtschaftswissenschaftlicher Ansatz, wonach Inflation immer ein monetäres Phänomen ist und nur durch strikte Kontrolle der Geldmenge verhindert werden kann. Zu den wenigen Notenbanken , die den Monetarismus in ihrem geldpolitischen Ansatz noch institutionalisiert haben, gehört die EZB mit ihrer Zweisäulenstrategie.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Preisstabilität
Strategisches Ziel jeder Notenbank , wobei stabile Preise nicht mit 0% Inflation gleichgesetzt werden. Die SNB definiert Preisstabilität als eine Jahresteuerung der Konsumentenpreise von 0 bis 2%.
QE
Früher verpönte unkonventionelle geldpolitische Massnahme. Statt über Zinssenkungen die Finanzierungsbedingungen zu lockern, wird die Geldmenge direkt ausgeweitet, indem Wertschriften oder Devisen angekauft werden, ohne paralell dazu eine Sterilisierung durchzuführen. Im schlimmsten Fall erwerben Notenbanken direkt die Schuldbriefe der Regierung und fördern damit eine zügellose Schuldenpolitik des Staates (Schuldenmonetisierung).
Quantitative Easing
Früher verpönte unkonventionelle geldpolitische Massnahme. Statt über Zinssenkungen die Finanzierungsbedingungen zu lockern, wird die Geldmenge direkt ausgeweitet, indem Wertschriften oder Devisen angekauft werden, ohne paralell dazu eine Sterilisierung durchzuführen. Im schlimmsten Fall erwerben Notenbanken direkt die Schuldbriefe der Regierung und fördern damit eine zügellose Schuldenpolitik des Staates (Schuldenmonetisierung).
Staatsanleihe
Anleihe , die von einem Staat zur Deckung seines Finanzierungsbedarfs im In- oder Ausland emittiert wird. Die Renditen der Staatsanleihen dienen als Benchmark für andere Emittenten desselben Staates. Die Schweiz begibt im Unterschied zu anderen Ländern keine Anleihen der Eidgenossenschaft im Ausland.
Unze
Handelsübliche Masseinheit für Edelmetalle. Sie entspricht 31,1035 Gramm.
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

Was mögen Sie eher? Einen Strafzins auf Ihren Spar- und Pensionsguthaben, teurere Aktien und Immobilien oder Kaufkraftverlust durch steigende Konsumentenpreise? Bekömmlicher wäre doch eine regelmässige Gutschrift auf Ihrem Bankkonto.

Ein solcher Lohnzustupf wird als Helikoptergeld bezeichnet und als nächste Stufe der expansiven Geldpolitik vorgeschlagen. Bereits installiert sind Negativzinsen, und die grossen Anleihenkaufprogramme der Notenbanken in Euroland und Japan blähen die Vermögenspreise weiter auf. Derweil köchelt die vom Internationalen Währungsfonds belebte Debatte um ein höheres ­Inflationsziel von 4 statt nur 2%. Und nun wird immer lauter über Helikoptergeld diskutiert.

Den Begriff prägte Milton Friedman, der Vater des Monetarismus, im Jahr 1969. Er schlug vor, in schlechten Zeiten könnten Helikopter frisch gedruckte Geldscheine abwerfen, um den Konsum und die allzu tiefe Inflation anzufachen. Bereits in den Dreissigerjahren empfahl John Maynard Keynes angesichts der grossen Depression, in stillgelegten Kohleminen Geld zu vergraben, das dann von arbeitslosen Bergleuten ausgehoben würde.

Konsum und Teuerung anfachen

Im Jahr 2003 schlug der spätere US-Notenbankchef Ben Bernanke vor, Japans Regierung solle zur Bekämpfung der hartnäckigen Deflation die Ausgaben erhöhen oder die Steuern senken. Finanziert werden dürfe das aber nicht mit Staatsanleihen, sondern mit frischem Geld. Das kurble die Wirtschaft direkt an, ohne Bremswirkung durch Sorgen um eine höhere Schuldenlast. Eine mit Notenbankgeld finanzierte Steuersenkung sei im Wesentlichen dasselbe wie Friedmans Helikoptergeld.

Erneut lanciert wurde das Thema 2013 von Adair Turner, dem früheren Chef der britischen Finanzaufsicht. Neu geschaffenes Geld solle den Bürgern oder dem Staat so lange zugeteilt werden, bis sich die Wirtschaft erhole.

Gegenüber dem, was der Abwurf aus dem Helikopter leisten soll, zeigen die bisherigen unkonventionellen Therapien der Notenbanken keine Wirkung oder sind gar kontraproduktiv. Die Negativzinsen in Schweden, Dänemark, Euroland, der Schweiz und Japan dringen noch nicht bis zum Sparkonto vor, erst Vorsorgegelder werden belastet. Aus Sorge um ihre Pension sparen die Leute nun aber mehr statt weniger, was die Wirtschaft belastet statt ankurbelt. Ein Lohnzustupf von der Notenbank würde dagegen den Konsum steigern.

Der laufende, von den Zentralbanken gross angelegte Aufkauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren verteuert auch andere Vermögenswerte. Der Effekt dieser quantitativen Lockerung (Quantitative Easing, QE) ist zweifelhaft: Wer hat, dem wird gegeben. Der Wunschtraum, dass die vermögenden und durch QE noch reicheren Bürger auch mehr konsumieren und die Wirtschaft anschieben, erfüllt sich nicht. Das von den Notenbanken aufgepumpte Vermögen entfaltet keine breite Wirkung, denn es sickert nicht zu den weniger wohlhabenden Leuten durch. Mit diesem Trickle-down-Effekt rechtfertigte US-Präsident Ronald Reagan in den Achtzigerjahren niedrigere Steuern für Vermögende und Unternehmer. Das funktionierte schon damals nicht.

Helikoptergeld hingegen ist nicht elitär, sondern egalitär. Wohlhabende werden nicht bevorzugt, jeder Einwohner erhält den gleichen Zustupf. Die monetäre Expansion landet ohne Umweg bei den Privathaushalten.

Diese direkte Wirkung ist nicht nur für die Konsumnachfrage wichtig, sondern auch für die Inflation. Während die Notenbanken die Vermögenspreise aufblähen, wird debattiert, ob nicht auch die Konsumentenpreise künftig schneller als gewohnt steigen sollten. Statt Preisstabilität und damit bis zu 2% Inflation könnten die Zentralbanken eine höhere Teuerung anpeilen. Argumentiert wird, die hoch verschuldeten Regierungen müssten zur Unzeit sparen, diese Bremse für die Konjunktur solle durch eine möglichst expansive Geldpolitik kompensiert werden. Zudem könnten einige Jahre mit etwas schnellerer Inflation nicht schaden; die Teuerung entwertet nicht nur Geld, sondern auch Schulden.

Das klingt nach einem Spiel mit dem Feuer und ist eine Wette darauf, dass die Notenbanken rechtzeitig gegensteuern, bevor die Inflation aus dem Ruder läuft. Es lohne sich, diese Wette einzugehen, sagt etwa der Wirtschaftsprofessor Barry Eichengreen aus Berkeley.

Derweil liegt die den Banken bereits verabreichte Liquidität brach, sie parken das Geld bei der Notenbank. Erstens müssen die Banken strengere Eigenkapitalvorschriften erfüllen, was die Kreditvergabe bremst. Zweitens erlahmt die Nachfrage der Unternehmen und Privathaushalte nach Darlehen wegen des unsicheren Wirtschaftsausblicks und der Alterung der Gesellschaft. Trotz Negativzinsen und QE haben es die Notenbanken deshalb nicht geschafft, nur schon ihr bestehendes Inflationsziel zu erreichen. Helikoptergeld umgeht das Bankensystem, landet direkt bei den Privathaushalten und muss von diesen nie zurückbezahlt werden.

Konsumnachfrage soll die Konjunktur anwerfen, und Inflation kann den Schuldenberg abtragen. Der ist sonst kaum zu bewältigen. Die Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff haben gezeigt: Die Gesamtschulden von Staat, Unternehmen und Haushalten in den ­Industrieländern sind mittlerweile so hoch, dass sie sich nicht mehr abbauen lassen durch eine Kombination aus Sparprogrammen, Aufschub und Wirtschaftswachstum. Die notwendige Austerität wäre viel zu harsch.

Auch da kommt ein Lohnzustupf gerade recht, er erleichtert den Schuldendienst der Haushalte und hilft mit Inflation auch Unternehmen und dem Staat. Für diesen schlägt Adair Turner zudem eine Variante des Helikopters vor. Das Prinzip ist einleuchtend: Die Regierung hat auf ihrer Bilanz Schulden. Die Notenbank hat in ihrer Bilanz ein Guthaben, da sie mit dem QE-Programm Staatsanleihen gekauft hat. Beide Bilanzen sind staatlich. Für die Schulden der Regierung muss der Steuerzahler geradestehen, und das Guthaben der Notenbank ist letztlich Volksvermögen. Schuld und Guthaben heben sich auf, können saldiert werden. Ein Federstrich genügt.

Staatsschulden ins Endlager

Das klingt zu schön, um wahr zu sein, und weckt Skepsis. Aber es geht auch ohne Federstrich. Werden die Staatsanleihen in der Notenbankbilanz in zinslose ewige Anleihen verwandelt, bleiben sie dort liegen und geraten in Vergessenheit. Solches Helikoptergeld nennt Turner «permanente Monetarisierung von Staatsschulden».

Wem auch das zu alchemistisch ist, der lässt die Bilanzpositionen stehen. Endet die Laufzeit einer Staatsanleihe, zahlt die Regierung das Geld der Notenbank zurück. Dann emittiert sie eine neue Anleihe und verkauft sie wiederum der Notenbank. Deren Bilanz bleibt ewig hoch und dient als Endlager, ohne grosses Aufsehen. Das wäre dann ein Helikopter mit Tarnkappe.

Wenn sich aber der Schuldenberg so einfach im Umfang des QE-Programms neutralisieren lässt, worauf warten wir dann noch? Mit diesem Konzept könnten ja die Zentralbanken auch künftig Staatsschulden aufkaufen und verschwinden lassen.

Spätestens da wird’s kritisch, sagt auch Adair Turner. Ein solcher Helikoptereinsatz dürfe nur einmal stattfinden. Er verhelfe zu einem Neustart, einer zweiten Chance, um eine riesige Schuldenkrise zu vermeiden.

Helikoptergeld ist also eine Wette, dass die Politik eine einmalige Gelegenheit nutzt und mit einschneidenden Strukturreformen das künftige Wirtschaftswachstum steigert. Lässt aber der Druck der Schulden nach, schwindet erfahrungsgemäss der Reformwille. Einmal ist schliesslich keinmal, und schon ist die Abhängigkeit von wiederkehrenden Helikoptereinsätzen da.

Der Wetteinsatz ist hoch, Turner selbst warnt vor Hyperinflation wie in der Weimarer Republik oder in Simbabwe. Nichtsdestotrotz ist damit zu rechnen, dass etwa Japan seine rekordhohen Staatsschulden bei der Notenbank im Endlager deponiert. Politiker anderswo könnten auf den Geschmack kommen.

Mehr zum Thema

11.02.2016 Makro

Schweizer Teuerung sinkt

lock-status
Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Ein Kommentar zu «Helikoptergeld für Inflation»

  • Willy Huber sagt: 17:04 - 16.03.16

    Ja, das könnte tatsächlich funktionieren. Eigenes Geld (CHF) drucken, den Einwohnern steuerfrei verteilen, der CHF wird geschwächt, der Sparer durch den Zustupf für den Kaufkraftverlust entlastet, die absurden Negativzinsen gestrichen, die Inflation steigt.