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Helvetic-CEO: «Es geht um das Wohl der Schweizer Wirtschaft»

Tobias Pogorevc sagt, weshalb die Kritik an der Staatshilfe für die Swiss am Ziel vorbeischiesst und wann er eine Belebung des Fluggeschäfts erwartet.

Seit dieser Woche ist Tobias Pogorevc ein Airlinechef ohne fliegende Flotte. Am Dienstag hat die im Besitz von Financier Martin Ebner stehende Helvetic Airways bekanntgegeben, alle Flugzeuge am Boden zu belassen. Im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» erklärt er, weshalb die Coronapandemie die Airlinebranche gleich doppelt trifft und weshalb es für die Schweizer Wirtschaft essenziell ist, der Fluggesellschaft Swiss mit einem staatlichen Überbrückungskredit unter die Arme zu greifen.

Herr Pogorevc, die Swiss hofft auf Staatshilfe, um die Folgen der Coronapandemie abzufedern. Nun fordern einzelne Politiker, dass man die Unterstützung an harte Bedingungen knüpfen soll. Zu Recht?
Ich verstehe diese Aufregung nicht. Die Swiss ist ein schweizerisches Unternehmen und versteuert ihren Gewinn hier. Bei der Belegschaft sind es weit über 90%, die in der Schweiz wohnen und hier ihre Steuern zahlen. Es spielt doch keine Rolle, ob der Eigentümer aus dem Ausland stammt. Auch andere Unternehmen in der Schweiz profitieren derzeit von Staatsgeldern, obschon sie zu einem grossen Teil in ausländischem Besitz sind.

Ist die staatliche Unterstützung wirklich nötig?
Ja, und ich kann  mir nicht vorstellen, dass der Bundesrat sie nicht gewähren wird. Es geht um einen Überbrückungskredit in einer Krise, wie wir sie noch nie zuvor gesehen haben. Der drohende Liquiditätsmangel in unserer Branche hat nichts damit zu tun, dass Fluggesellschaften falsch aufgestellt sind. Die Krise trifft die Aviatik in einem erdenklich ungünstigen Moment, weil der Frühling für den Cashbestand besonders wichtig ist. In dieser Zeit werden die Buchungen für den Sommer vorgenommen. Nun sehen wir neben einem Buchungseinbruch einen massiven Geldabfluss, was die Probleme rasch verschärft.

Sie machen sich auch stark dafür, weil Helvetic Airways als Dienstleister der Swiss indirekt von deren Wohlergehen abhängt.
Richtig ist, dass wir verschiedene Flüge im Auftrag der Swiss durchführen. Dazu ist es nötig, dass die Swiss finanziell auf gesunden Beinen steht. Bei der Frage nach Staatshilfe geht es aber um viel mehr, um das Wohl der Schweizer Wirtschaft. 38% der ausländischen Touristen kommen über die Luft in die Schweiz und generieren hier Wertschöpfung. 50% des Schweizer Exports werden via Luftfracht ins Ausland transportiert. Und bei der Staatshilfe geht es nicht um einen A-fonds-perdu-Betrag, sondern um einen Überbrückungskredit. Mich würde es nicht überraschen, wenn die Swiss mit ihrer operativen Stärke ihn innerhalb kurzer Zeit zurückzahlen könnte.

Wann rechnen Sie damit, dass die Fluggesellschaften den Betrieb wieder hochziehen können?
Wir gehen inzwischen davon aus, dass wir das gesamte zweite Quartal abhaken können. Momentan sieht es so aus, dass wir frühestens im Laufe des Juni allmählich wieder mit dem Betrieb starten können, vielleicht wird es auch Juli.

Helvetic Airways gehört zu den kleineren Gesellschaften, die nicht auf Staatsgelder hoffen dürfen. Sie haben mit Martin Ebner aber einen finanzkräftigen Investor. Ein entscheidender Vorteil?
Gut kapitalisiert zu sein, ist ganz klar ein Vorteil im Bereich des Regionalflugsegments. Zum Tragen kommt aber auch, dass wir stets ein äusserst konservatives Geschäftsmodell verfolgt haben. Wer stark auf Charterreisen gesetzt hat, kann in der jetzigen Krise kaum mehr als einen Monat lang überleben. Allerdings trifft die Coronapandemie auch uns empfindlich. Wir waren mitten in der Umstellung auf einen neuen Flieger, mit dem wir eine Wachstumsstrategie eingeschlagen haben. Dieses Wachstum haben wir per sofort gestoppt. Wir konzentrieren uns jetzt auf die mittelfristige Umflottung.

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