Meinungen

Heute vorsorgen, nicht morgen

Privates Alterssparen wird wichtiger denn je. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Pascal Meisser.

«Schaut man die Entwicklungen in den staatlichen Vorsorgesystemen an, wird es langsam unverantwortlich, sich nicht rechtzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen.»

Wer sich ein neues Auto kauft, verbringt oft unendlich viel Zeit damit, sich in Prospekten und Fachmagazinen über das Objekt der Begierde zu informieren. Wenn es um die eigene Vorsorge geht, wird in den allermeisten Fällen nicht ein Bruchteil dieser Zeit aufgewendet.

Diese unterschiedliche Priorisierung ist verständlich. Immerhin ist Vorsorge ein Thema, das bei vielen vermeintlich erst in ein paar Jahren oder gar Jahrzehnten aktuell wird. Schaut man aber die Entwicklungen in den staatlichen Vorsorgesystemen an, wird es langsam unverantwortlich, sich nicht rechtzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Derzeit besteht weltweit eine Vorsorgelücke von 70 Bio.  $ – eine unfassbar grosse Zahl. Bis 2050 soll der Fehlbetrag auf 400 Bio. $ steigen. Eine knappe Versechsfachung. Wer glaubt, dass unter diesen Voraussetzungen in der Schweiz die Versprechen aus der ersten und der zweiten Säule eingehalten werden können, ist entweder ein Optimist, oder er verschliesst die Augen vor der Realität.

Der viel gehörte Satz «Der Staat wird es schon richten, wenn ich mal alt bin» verliert je länger, je mehr an Wert und Gültigkeit. Bereits heute – so hört man von Vorsorgeberatern – büssen Schweizerinnen und Schweizer im Alter für ihre Sorglosigkeit beim Thema Vorsorge. Wer sich erst kurz vor der Pensionierung darum kümmert, ist oft zu spät.

Wir leben heute in einer Welt, in der traditionell funktionierende Vorsorgesysteme aus den Fugen geraten, weil die zunehmende Lebenserwartung und die abnehmende Geburtenrate die Rahmenbedingungen grundsätzlich ändern. In einer solchen Welt wird die private Vorsorge immer wichtiger. Gerade die heranwachsende Generation der Millennials, die gerne als «Hier-und-jetzt-Fraktion» beschrieben wird, muss sich intensiv mit dem Thema beschäftigen, was dereinst sein wird.

Vorsorge ist ein Thema, das heute und nicht erst morgen auf den Tisch muss. Auch wenn sich all diese Ausdrücke wie BVG, Mindestzins und Umwandlungssatz so schrecklich technisch und kompliziert anhören. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn schon in der Schule Finanzthemen wie Vorsorge mehr Bedeutung erhielten. Doch das darf keine Ausrede sein, sich nicht aus persönlichem Antrieb darum zu kümmern.

Auch die Vorsorgebranche ist zuletzt mit neuen und innovativen Lösungen auf den Markt gekommen – und trägt damit dem Tiefzinsumfeld Rechnung. Denn dieses macht derzeit in der privaten Vorsorge weder Kontolösungen noch Obligationenanlagen interessant. Umso wichtiger ist, dass man möglichst kostengünstig mit Aktien vorsorgen kann.

Zum Glück ist die Rentenkrise eine, die sich mit Vorlauf anmeldet. Eine, die viel Spielraum aufweist, damit man selbst nach Lösungen suchen kann – im Gegensatz zur Finanzkrise, die fast alle auf dem falschen Fuss erwischt hat. Allerdings wäre es töricht, diese Krise mit Ankündigung nicht als Chance zu nutzen, sich fürs Alter fit zu halten – nicht nur körperlich, sondern auch finanziell.

Leser-Kommentare

Markus Rombach 13.07.2018 - 22:58

Absolut richtige Analyse. Man soll sich nicht auf den Staat, aber auch nicht auf die Banken (Vermögensverwalter) verlassen.