Meinungen

Hilfe aus Holland

Wenn man nicht mehr weiterweiss, holt man einen von aussen. UBS ist in genau solch einer Situation. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Valentin Ade.

«Punkto Effizienz und Profitabilität ist die globale Nummer eins im Private Banking ungenügend.»

Die Ära Ermotti als Chef von UBS (UBSG 8.824 -2.71%) neigt sich dem Ende zu. Ralph Hamers, Noch-CEO der niederländischen Grossbank ING, übernimmt im November das Ruder der grössten Vermögensverwalterin der Welt. Die Wahl eines externen ausgewiesenen Retailbankers mutet auf den ersten Blick unpassend an. Doch vielleicht ist dieser Schritt gerade jetzt nötig.

Denn zwar hat Ermotti sich um UBS unumstösslich verdient gemacht. Er hat das Geschäft restrukturiert, weg vom volatilen Investment Banking hin zur eigentlichen Paradedisziplin, zur Vermögensverwaltung. Er war dabei so vorbildlich, dass Tidjane Thiam, Ex-CEO von Credit Suisse (Credit Suisse 7.82 -2.88%), es ihm bei der zweitgrössten Bank des Landes nachmachte.


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Nur: Seit langem stagniert bei UBS der Ertrag, die Kosten zeigen sich hartnäckig. Punkto Effizienz und Profitabilität ist die globale Nummer eins im Private Banking ungenügend. Und dann haben Ermotti und Co. kürzlich auch noch die Ziele gesenkt. Ambitionen? Fehlanzeige. Massnahmen? Pflästerlipolitik und Minisparübungen. «Death by a thousand cuts», nennen es die Engländer, das lange Sterben durch tausend kleine Schnitte. Da wundert es nicht, dass der Aktienkurs mittlerweile wieder bei Werten dümpelt, als hätte Ermotti die Restrukturierung nie vorgenommen. Dividendenperle hin oder her.

Der externe Retailbanker Hamers bringt das Potenzial für den grossen Wurf mit. Er ist innerhalb der Bank niemandem etwas schuldig, bei ING hat er die Abläufe auf völlig neue Füsse gestellt, und die Bank hat sich unter ihm gut entwickelt. Am Ende hängt es an Hamers’ Willen und den Abwehrkräften innerhalb von UBS. Hält der Finanzplatz es aus, wenn der Holländer anfängt, im Heimmarkt die Leute reihenweise vor die Tür zu stellen? Und würde ein allfälliger zukünftiger Verwaltungsratspräsident Ermotti einen Grossumbau seiner Bank überhaupt mittragen? Die Zeit wird es zeigen.

Leser-Kommentare

Harald Rieder 21.02.2020 - 08:56

“Die Strategie war so erfolgreich das diese von CS kopiert wurde”. Die guten Resultate lassen bei beiden Banken auf sich warten. Ja. So geht Management.