Unternehmen / Ausland

Hiroto Saikawa: Vom Schützling zum Königsmörder

Die Loyalität zum Unternehmen zählte für den Nissan-Chef am Ende mehr als die Dankbarkeit gegenüber seinem Förderer. So kam Carlos Ghosn in Untersuchungshaft. 

Martin Fritz

«Ich fühle grosse Enttäuschung, Frustration und Verzweiflung, Empörung und Groll.» So unverblümt legte Nissan-Chef Saikawa nachts um halb elf Uhr vor Hunderten Journalisten in der Konzernzentrale von Nissan in Yokohama seine Emotionen offen. Ghosn war sein Förderer und Mentor, ihm verdankt der 65-Jährige seinen Aufstieg über zwei Jahrzehnte an die Spitze von Japans zweitgrösstem Autobauer. Vor zwei Jahren wurde Saikawa Co-Chef, seit April 2017 regiert er Nissan allein. Dennoch hat der Japaner die Rebellion gegen den Palastherrscher Ghosn angeführt.

Monatelang liess Saikawa offenbar die Hinweise auf Fehlverhalten von Ghosn gründlich untersuchen. Andere Top-Manager wurden nicht eingeweiht. Unter seinen Augen gewann die Staatsanwaltschaft zwei Zeugen im Unternehmen, die vollumfänglich aussagten. Dabei wurde Ghosn im Dunkeln gelassen. Als der Franzose am Montag nichts ahnend auf dem Tokioter Flughafen Haneda landete, brachte die Polizei ihn aus dem Firmenjet direkt ins Gefängnis. Die französische Zeitung «Les Echos» nannte Saikawa einen Brutus, der den Cäsar von Nissan ermordet habe.

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