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Hochdorf gelingt mit Pharmalys-Verkauf ein Befreiungsschlag

Analyse | Pharmalys-Gründer Amir Mechria kauft die Mehrheit an der Tochtergesellschaft zurück. Der Weg für Hochdorf bleibt lang und steinig.

Hochdorf (HOCN 77.5 -3.61%) wirft Ballast ab: Der kriselnde Milchverarbeiter trennt sich von der Mehrheit an Pharmalys. Am Freitagabend nach Börsenschluss sei der Verkaufsvertrag für die Tochtergesellschaft unterschrieben worden. Käufer ist die von Pharmalys-Gründer und Minderheitseigner Amir Mechria kontrollierte Pharmalys Invest Holding. Der Verkaufspreis beträgt 100 Mio. Fr.

«Mit diesem Verkauf macht Hochdorf einen wichtigen Schritt in Richtung finanzielle Gesundung und erhöht ihre strategische Flexibilität», schreibt das Unternehmen in der Mitteilung vom Sonntag. Der Abschluss der Transaktion werde für die nächsten Tage erwartet. Die beiden Gesellschaften haben sich ausserdem darauf geeinigt, auch künftig zusammenzuarbeiten. Pharmalys wolle in der Vermarktung weiterhin auf die von Hochdorf produzierte Schweizer Babynahrung setzen. Sie bleibt damit eine wichtige Kundin.

Äusserst kapitalintensiv

Die Vertriebsgesellschaft, an der Hochdorf 51% hält, hatte zuletzt an der Substanz gezehrt. Das Geschäft mit Babymilchpulver im Nahen Osten und in Nordafrika ist äusserst kapitalintensiv. Rechnungen wurden über Monate nicht beglichen. Das band Mittel, die das angeschlagene Innerschweizer Unternehmen eigentlich nicht hatte. Im ersten Halbjahr sah es sich deshalb gezwungen Rückstellungen für Forderungen im Wert von mehr als 30 Mio. Fr. zu bilden. Umsatz und Gewinn von Pharmalys brachen ein.

Es zeigte sich, dass das Hochdorf-Management wenig Einsicht in die operativen Vorgänge hatte. Deswegen beschloss der im April neu gewählte Verwaltungsrat, strategische Optionen für die Tochter zu prüfen. Ein Rückkauf durch Mechria, der die übrigen 49% an Pharmalys hält, schien für den Milchverarbeiter der beste Weg. Doch lange war unklar, ob er dafür die Mittel hatte. Nun sollen die Zahlungen in Raten bis September 2020 folgen. Das sorgte bei Beobachtern für Kritik.

Amir Mechria bleibt zudem der grösste Aktionär von Hochdorf. Seit der Wandlung seiner Anteile der Pflichtwandelanleihe hält er 18% am Milchverarbeiter. «Als Grossaktionär bin ich nach wie vor von einer erfolgreichen Zukunft von Hochdorf überzeugt», lässt er sich zitieren. Zudem könne Pharmalys mit diesem Schritt das gewünschte Wachstum eigenständig erfolgreich vorantreiben.

Obwohl mit diesem Schritt für Hochdorf das drängendste Problem gelöst ist, steht sie weiterhin vor grossen Herausforderungen. Das traditionelle Geschäft mit Milchpulver für die Lebensmittelindustrie (Dairy Ingredients) lahmt. Die Strategie, künftig auf Babymilchpulver zu setzen, muss erst noch das Wachstum und den Profit bringen, die sich das Management erhofft. Gegenwärtig trägt das Segment lediglich 12% zum Umsatz bei (vgl. Grafik). Die Weiterführung der Zusammenarbeit mit Mechria ist in dieser Hinsicht wohl eine gute Nachricht.

Probleme bleiben

Wegen des aktuell geringen Umsatzes im Bereich Baby Care und der technischen Herausforderungen an der neuen Sprühturmlinie in Sulgen rechnet das Unternehmen für 2019 mit einem deutlich negativen Ergebnis. Zudem steht es vor einem Schuldenberg, der so kaum kleiner wird. Immerhin, Ende Oktober hatten die Banken einer Verlängerung der Kreditlinie zugestimmt und damit das Überleben der Gesellschaft gesichert.

Der finanzielle Schaden, der durch das Pharmalys-Abenteuer entstanden ist, lässt sich jedoch nicht wegreden. Nach der Übernahme Ende 2016 hatte Hochdorf rund 245 Mio. Fr. für Pharmalys bezahlt, davon rund 114 Mio. Fr. in bar und 131 Mio. Fr. in Form einer Pflichtwandelanleihe. Heute ist die Tochter noch einen Bruchteil dessen wert.

Aus Sicht der Aktionäre ist der Verkauf erfreulich und tatsächlich ein wichtiger Schritt. Welche Zukunft das Unternehmen langfristig hat, muss sich aber noch zeigen. Investoren, die auf einen Turnaround setzen, brauchen einen sehr langen Atem – und die Wahrscheinlichkeit besteht weiterhin, dass sich das Engagement nie auszahlen wird.

Die komplette Historie zu Hochdorf finden Sie hier. »