Zum Thema: Der Anleger wird zur Bank

Hochprofitables Kreditgeschäft

Die Senkung des Maximalzinssatzes erhöht bei den Banken die Nervosität.

Briefe, Telefone, Plakate, Fernsehwerbung – die Kreditinstitute geben derzeit Vollgas, um bestehende Kunden zu halten und neue zu gewinnen. Zwar dauert es noch sechs Wochen, bis die Maximalzinssenkung in Kraft tritt. Doch die Nervosität, in dieser Zeit Schuldner zu verlieren, ist hoch. Erstmals seit langer Zeit ist in dieser Branche wieder Wettbewerb zu spüren.

Die Kreditinstitute – das sind Cembra Money Bank (CMBN 80.1 -1.29%), die an der Schweizer Börse kotiert ist, die Credit-Suisse-Tochter Bank-now, Cashgate sowie die Migros Bank. Dieses Quartett weist einen Marktanteil von über 80% auf, wobei Cembra und Bank-now über 50% des Markts abdecken.

Angst vor Anbieterwechsel

Der Grund für die Nervosität der Banken ist einfach: Wer bereits einen Kredit hat, behält trotz Zinssenkung seine Konditionen. Nur wer einen neuen Kreditvertrag eingeht, profitiert von den tieferen Zinsen. Deshalb versuchen die Banken, ihre Kunden von einer leichten Krediterhöhung zu überzeugen, bevor sie einen Bankwechsel ins Auge fassen. Denn im Gegensatz zu einer Hypothek kann man einen Kreditvertrag bedingungslos auflösen. Es reicht, wenn man die Restsumme inklusive Zinsen vorzeitig begleicht.

Allerdings wird befürchtet, dass teilweise auch Neukunden die Zinssenkung kaum spüren werden. «Bisher haben sich Schuldner mit schlechter Bonität über die hohe Marge selbst finanziert. Zukünftig wird es so sein, dass die guten Risiken die schlechten Risiken subventionieren und aufgrund des geringeren Wettbewerbs höhere Zinsen als bisher bezahlen», prognostiziert Marc Parmentier von Comparis. Auch für die Anbieter treffen die Folgen verzögert ein. Im Durchschnitt weist ein Kreditportfolio einer Bank eine Laufzeit von vier Jahren auf. Die Auswirkungen auf Gewinn und Marge der Anbieter wird deshalb erst Anfang Sommer 2020 in vollem Umfang sichtbar werden.

Hohe Zinsmargen

Das Geschäft mit den Schuldnern ist hoch profitabel. Niedrigstzinsen halten die Refinanzierungskosten tief. Dazu kommt eine Schuldnerausfallquote, die unter 1% liegt. Durchschnittlich erwirtschaftet Cembra Money Bank eine Zinsmarge von 7%. Bei den übrigen Anbietern dürfte dieser Wert sich in einem ähnlichen Rahmen befinden. Finanzanalysten gehen davon aus, dass diese Marge als Folge der Zinssenkung leicht nachgeben wird. «Das Geschäft mit Konsumkrediten bleibt aber dennoch hoch profitabel», sagt Michael Kunz, Bankenanalyst der Zürcher Kantonalbank.

Trotz der Verschärfung bei den Zinsen wird auch künftig kaum mit einem Preiskampf unter den grossen Anbietern zu rechnen sein. Dies, obschon der Konsumkreditmarkt seit Jahren leicht rückläufig ist. 2007 wurden neue Kredite in der Höhe von 4,5 Mrd. Fr. vergeben, vergangenes Jahr belief sich das Volumen noch auf 3,9 Mrd. Fr. Dennoch ist der Kuchen genug gross für alle Anbieter.

Seit ein paar Jahren versucht sich die Migros Bank als Preisbrecher. Sie verspricht Konsumkredite ab 5,9% Jahreszins, wobei nur die wenigsten Kreditnehmer tatsächlich die tiefsten Konditionen erhalten. So zumindest ist es aus der Branche zu hören. Derzeit weist die Migros Bank einen Marktanteil von rund 15% auf.

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