Meinungen

Hohe Messlatte

Die Abschlüsse dürften einiges besser ausfallen als prognostiziert. Das ist jedoch kein automatischer Kurstreiber. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Anleger müssen damit rechnen, dass viele Aktien auch bei leicht besser als erwartet ausfallenden Ergebnissen nicht gross reagieren.»

Im Moment ist alles anders. Nicht nur im Leben, sondern auch an der Börse. Die Regeln von gestern sind ausser Kraft, und es fragt sich, wie lange es dauert, bis sie wieder gelten, oder ob sie dauerhaft neu geschrieben werden. Das gilt auch für die Abschlüsse von Unternehmen, in den USA wie in der Schweiz.

Historisch gesehen läuft das Spiel zwischen Unternehmen und Analysten immer gleich ab. Unternehmen liefern Anhaltspunkte, wie das Geschäft läuft, Analysten geben darauf ihre Prognosen ab. Den meisten Firmen gelingt es im Endeffekt, diese Erwartungen noch leicht zu übertreffen. In den USA schneiden Gesellschaften historisch gesehen 3 bis 5% besser ab als von den Auguren prognostiziert. In den letzten Quartalen war das anders. Zwischen dem zweiten Quartal 2020 und dem Jahresende übertrafen die Unternehmen die Erwartungen im Schnitt um rund 14%. Im ersten Quartal des laufenden Jahres waren es gar satte 28,7%.

In der gerade angebrochenen Abschlusssaison ist mit ähnlich starken Abschlüssen zu rechnen. Erste Zahlenkränze unterstreichen das. Heisst das wirklich, dass die Unternehmen wieder in absoluter Topform sind? Nicht unbedingt. Einerseits sind Analysten häufig etwas träge in ihren Prognosen und auch zu vorsichtig. Anderseits sind die oft höheren Kosten und der teilweise Mangel an Preismacht nicht zu unterschätzen.

Anleger müssen damit rechnen, dass viele Aktien auch bei leicht besser als erwartet ausfallenden Ergebnissen nicht gross reagieren. Für einen Kurssprung braucht es deutlich mehr. Das sollten Sie im Hinterkopf haben, wenn Sie nächste Woche die Abschlüsse von UBS (UBSG 14.62 +1.32%), SGS (SGSN 2'927.00 +0.38%), Novartis (NOVN 84.57 +0.89%), ABB (ABBN 33.67 +1.57%), Sika (SIKA 320.20 +2.01%) oder Schindler (SCHP 297.80 +1.92%) antizipieren.

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