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Hohe Volatilität nach Bitcoin-Höchstkursen

Der Bitcoinpreis hat sein Allzeithöchst durchbrochen. Da sich der Kurs in unbekanntem Terrain befindet, ist mit hoher Volatilität zu rechnen.

Alain Kunz, Head of Digital Assets, Bank Cler

Die psychologische Marke von 20’000 $ wurde in der zweiwöchigen Berichtsperiode mit Leichtigkeit durchbrochen – mehr noch: 21’000, 22’000, 23’000, 24’000 und auch 25’000 wurden souverän gemeistert. Doch wie geht es weiter? Und wie unterscheidet sich dies von vergangenen Entwicklungen, als der Durchbruch des Allzeithöchst einen rasenden Bullenmarkt auslöste – der allerdings in einem Crash endete?

Im Gegensatz zum letzten Allzeithöchst wird diese Hausse von institutionellen, nicht privaten Investoren getrieben, was stabilisierend wirken sollte. Gewinnmitnahmen schliesst das jedoch nicht aus – im Gegenteil. Eine Überraschung wäre, sollten wir in den nächsten Tagen und Wochen nicht den einen oder anderen Rückschlag sehen.

Die Herde kam 2020

Die neuen Höchstkurse sind Gelegenheit für den Blick zurück. Mit dem Schlachtruf «The herd is coming» des Makroinvestors Mike Novogratz wurde Ende 2017 die Bitcoinadaption durch institutionelle Investoren angekündigt, die den Bitcoinpreis aufgrund des limitierten Angebots weiter in die Höhe treiben sollte. Doch wie so oft, wenn alle dasselbe erwarten, kam es anders: Der Preisanstieg des Bitcoins setzte sich nicht fort, sondern es folgten ein Einbruch und der sogenannte Kryptowinter.

2020 hat sich diese Ankündigung nun aber bewahrheitet. Institutionelle machten deutlich, dass sie an Bitcoin (Bitcoin 60'739.00 -1.32%) als Mittel zur Werterhaltung glauben, und sie liessen den Worten auch Taten folgen – angefangen bei den legendären Makroinvestoren Paul Tudor Jones und Stanley Druckenmiller über führende Vermögensverwalter wie BlackRock (BLK 907.26 +1.65%) und Guggenheim bis hin zu Unternehmen wie MicroStrategy, Square und MassMutual.

«Besser als Gold»

In einem Investoren-Update stellte Paul Tudor Jones im Mai fest, dass Bitcoin aus einer makroökonomischen Sicht am vielversprechendsten für die Welt nach Corona positioniert sei. Zudem sieht er in der Bitcoinentwicklung Parallelen zu Gold im Jahr 1976, als er seine Karriere begann. Stanley Druckenmiller sagte in einem viel beachteten CNBC-Interview, der Bitcoin werde noch stärker als Gold vom aktuellen Umfeld profitieren.

Im November machte Rick Rieder, Chief Investment Officer von BlackRock, Schlagzeilen mit seiner Äusserung, der Bitcoin sei langlebig und stelle eine Konkurrenz für Gold dar. Der Value-Investor Bill Miller begrüsste, dass das Ökosystem und die Infrastruktur in den vergangenen Jahren stark gereift seien, und wies darauf hin, dass der beschleunigten Adaption ein limitiertes Angebot von 21 Mio. Bitcoin gegenüberstehe.

Ganz unerwartet kam das 100-Mio.-$-Investment des traditionellen Versicherers MassMutual in Bitcoin. Während der prozentuale Anteil zum Gesamtvermögen winzig ist, ist die Signalwirkung bezüglich Eignung von Bitcoin für Anlagen enorm. Die Rolle von Bitcoin in einer langfristigen Asset Allocation wurde weiter von Inigo Fraser-Jenkins, dem Co-Leiter Portfoliostrategie von AllianceBernstein, untermauert.

 

Preisziel von 400’000 $

Scott Minerd, Chief Investment Officer von Guggenheim, machte Schlagzeilen mit einem Preisziel von 400’000 $ pro Bitcoin. Seine Herleitung basiert auf der Goldkapitalisierung als prozentualem Anteil am Bruttoinlandprodukt und der Knappheit. Die gleiche Argumentation nutzen die Winklevoss-Brüder in ihrem Beitrag «The Case for 500’000 $». Bitcoin verfügt über die gleichen Vorteile wie Gold, ohne dessen Nachteile – deshalb auch die Bezeichnung digitales Gold oder Gold 2.0 für Bitcoin. Der Trend von einer physischen zu einer digitalen Welt wird vor dem physischen Gold nicht haltmachen.

Diese neue Realität hat auch Christopher Wood, der globale Leiter Aktienstrategie von Jefferies, erkannt; das Investmenthaus reduzierte die Goldposition im Portfolio zugunsten von Bitcoin. Die englische Ruffer Investments investierte 550 Mio. £ in Bitcoin nach einer Reduktion ihres Gold-Exposure und bezeichneten die Position als kleine, aber potente Versicherung gegen Unvorhergesehenes. One River Asset Management vollzog ihr 600-Mio.-$-Investment in Bitcoin und Ethereum in der Absicht, die Position Anfang 2021 auf 1 Mrd. $ zu erhöhen.

Schliesslich ist in dieser Aufzählung JPMorgan zu erwähnen. Das Investmenthaus, das sich noch vor wenigen Jahren extrem negativ zu Bitcoin geäussert hatte, wies in den letzten Monaten mehrmals darauf hin, dass Bitcoin daran ist, sich als institutionelle Alternative zu Gold zu positionieren – und wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen.

Gier treibt den Markt an

Der Fear & Greed Index, der mit einer simplen Zahl die Emotionen und die Sentiments des Kryptomarktes misst, steht nun seit einem Monat in der Gier-Zone: Die Preisentwicklung mit dem Durchbruch des Allzeithöchst, die positiven Nachrichten zu Bitcoin und seiner weiteren Adaption unter institutionellen Investoren stützten den Preis.

Am 17. Dezember war ein weiteres historisches Novum – erstmals verzeichneten die führenden Kryptobörsen ein kumuliertes Handelsvolumen von über 10 Mrd. $.

Institutionelle Bedeutung wächst

Die zunehmende institutionelle Bedeutung spiegelt sich in den jüngsten Unternehmensnachrichten: MicroStrategy hat das 650-Mio.-$-Bitcoin-Investment finalisiert. Coinbase, eine führende Handelsplattform für Krypto-Assets, will 2021 an die Börse gehen. Das Unternehmen wurde 2012 gegründet und hat über 35 Mio. Retail- und institutionelle Kunden.

Ripple, die Gesellschaft hinter dem viertgrössten Krypto-Asset XRP, und ihr CEO Brad Garlinghouse werden von der SEC wegen Verletzung des Wertpapierrechts verklagt. Die Schlüsselfrage im Zusammenhang mit der Anklage ist, ob es sich bei XRP, das von Ripple der breiten Masse verkauft wurde, um ein Wertpapier handelt oder nicht.

Die Meinung des Autors muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.