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Holpriger Börsengang von Schweizer Sportradar an der Nasdaq

Der Anbieter von Sportdaten überzeugte wenig an seinem gestrigen IPO. Das Papier ging im Minus aus dem Handel.

(AWP) Der Schweizer Sportdaten-Anbieter Sportradar (SRAD 17.71 -5.7%) hat am Dienstag einen holprigen Start an der US-Technologiebörse Nasdaq hingelegt. Die Aktien des St. Galler Unternehmens starteten beim Ausgabepreis von 27 $, verloren danach aber klar an Wert.

Bei Börsenschluss ging das Papier mit 25,05 $ aus dem Handel. Das war ein Minus von 7,2% gegenüber dem Ausgabepreis, der im Vorfeld auf 27 $ pro Aktie festgesetzt worden war. Derweil schloss der Nasdaq Composite-Index um 0,5% tiefer. Damit hat das Unternehmen einen Gesamtwert von 7,4 Mrd. $.

Insgesamt hatte Sportradar 19 Mio. Aktien der Klasse A mit dem Tickerkürzel «SRAD» in den Börsenhandel gebracht. Zusammen mit der Mehrzuteilungsoption und einer Privatplatzierung nimmt das St. Galler Unternehmen bis zu knapp 750 Mio. $ ein.

Kontrolle bleibt bei CEO

Mit dem Börsengang an der Nasdaq gehe ein Kindheitstraum in Erfüllung, sagte CEO Carsten Koerl am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Die New Yorker Technologie-Börse sei für sein Software- und Datenunternehmen ein «ideales Pflaster». Ausserdem blieben die USA weiterhin ein extrem wichtiger Wachstumsmarkt.

Auch nach dem Börsengang bleibt die Kontrolle über das Unternehmen bei Koerl: Als einziger Besitzer der Kategorie B-Aktien behält er einen Stimmrechtsanteil von mehr als 80%. «Diese Besitzstruktur hat den Vorteil, dass die Entscheidungswege im operativen Tagesgeschäft sehr kurz sind», so Koerl. Bei wichtigen strategischen Entscheidungen werde aber selbstverständlich der Verwaltungsrat einbezogen.

Der Hauptsitz von Sportradar soll weiterhin in der Schweiz in St. Gallen bleiben. «Wir haben keine Absichten, daran etwas zu ändern.» Auch würden die Entwicklungsarbeiten hierzulande weiter verstärkt.

Weitere Expansion geplant

Mit dem frischen Kapital soll die Expansion weiter vorangetrieben werden. Neben organischem Wachstum würden auch Akquisitionen im Technologiebereich geprüft, sagte Koerl weiter. Bezüglich Sportarten sehe er unter anderem bei Cricket grosse Wachstumschancen, zumal diese auf dem riesigen indischen Markt einen grossen Stellenwert habe.

Die Coronakrise hat das internationale Sportgeschehen im vergangenen Jahr zeitweise lahmgelegt. Neben der schweren Beeinträchtigung habe Pandemie aber auch für einen «enormen Innovationsschub» im Bereich der Sportdaten gesorgt, so der CEO. Diese einmalige Konstellation gelte es nun auszunutzen.

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen den Umsatz trotz der Pandemie um 6% auf 405 Mio. € gesteigert und der Reingewinn legte gar um mehr als einen Viertel auf 14,8 Mio. € zu. Im ersten Semester konnte Sportradar das Wachstum weiter beschleunigen und der Umsatz stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um 42% auf 272 Mio. € an.

Sportradar ist weltweit an über 30 Standorten präsent und beschäftigt rund 2’000 Mitarbeiter. Das Unternehmen erfasst Sportdaten und verarbeitet digitale Inhalte. Es beliefert damit Sportmedien, die Sportwettenbranche oder nationale und internationale Verbände. Zu den Verwaltungsräten gehört unter anderem Ringier-Chef Marc Walder.