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Hot Corner: Abgehoben

Der US-Flugzeugbauer AeroVironment ist mit aussergewöhnlichen Flugobjekten bekannt geworden. Jetzt verhilft das Geschäft mit Drohnen den Aktien zum Höhenflug.

Gabriella Hunter

Sie stellen Pakete zu, schiessen spektakuläre Ferienfotos und bekämpfen Schädlinge in der Landwirtschaft: Drohnen können nicht nur den Alltag erleichtern, sie revolutionieren auch die Wissenschaft. Die unbemannten Luftfahrzeuge – kurz UAV (Unmanned Aerial Vehicle) – liegen im Trend: Das US-Researchunternehmen Global Market Insights schätzt, dass der Markt für kommerzielle ferngesteuerte Fluggeräte bis 2024 auf 17 Mrd. $ wachsen wird.

AeroVironment (AVAV 108.24 -5.44%) (Nasdaq: AVAV, rund 1,7 Mrd. $ Börsenwert) hat das grosse Potenzial der Technologie früh erkannt. Bereits in den Achtzigerjahren tüftelte das Unternehmen aus Kalifornien an UAV. Mittlerweile erwirtschaftet es 90% des Umsatzes mit Drohnen. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es gut 240 Mio. $.

Muskel- und Sonnenkraft

Seit der Gründung durch den US-Luftfahrtpionier Paul MacCready 1971 ist die Gesellschaft für ihre aussergewöhnlichen Flugobjekte bekannt. Nicht selten waren sie mit speziellem Antrieb ausgestattet: Ende der Siebzigerjahre flog der «Gossamer Albatross» über den Ärmelkanal – allein durch Muskelkraft betrieben. Später machte sich das Unternehmen mit Solarflugzeugen einen Namen.

Lange Zeit verdiente AeroVironment mit kleinen, handlichen Drohnen, die von den US-Bodentruppen zur Aufklärung eingesetzt werden, viel Geld. Doch Ende 2016 musste der Flugzeugbauer erstmals einen Rückgang der Drohnenverkäufe hinnehmen. Der Aktienkurs fiel zwischenzeitlich unter 23 $.

Die Geschäftsleitung teilte daraufhin mit, sich vermehrt auf zivile Kunden konzentrieren zu wollen. Vor einem Jahr lancierte das Unternehmen ein mit Infrarotsensor und hochauflösender Kamera ausgestattetes Modell. Die Quantix-Drohne lässt sich über das Tablet bedienen und richtet sich etwa an Bauern, die mit dem Gerät das Pflanzenwachstum auf ihren Feldern überwachen wollen.

Erste Mars-Drohne

Im Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende April) steigerte AeroVironment den Gewinn 40% auf 12,5 Mio. $. Die guten Geschäftsaussichten für das laufende Jahr gaben den Aktien Auftrieb. Seit Anfang 2017 hat sich der Kurs beinahe verdreifacht. Mit einem vorausschauenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 70 sind die Valoren auch für einen Wachstumstitel stattlich bewertet.

Das jüngste Vorhaben der Kalifornier ist ein ferngesteuerter Kleinhubschrauber, der in den kommenden drei Jahren auf den Mars gebracht werden soll. Das Projekt in Zusammenarbeit mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa wird sich kurzfristig kaum positiv in den Geschäftszahlen niederschlagen.

Doch es ist unbezahlbare Werbung. Und die kann AeroVironment derzeit gut brauchen. Angesichts der grossen Nachfrage werden künftig weitere Rüstungsunternehmen für den zivilen Markt produzieren. Wenn AeroVironment die Kunden nicht von ihrer Technologie überzeugen kann, dürfte der Höhenflug abrupt zu Ende gehen.

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