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Hot Corner: Angriff auf der Langstrecke

JetBlue will neu mit Transatlantikflügen reüssieren. Viele sind hier schon gescheitert, doch die US-Billig-Airline meint, Asse im Ärmel zu haben.

Valentin Ade

Entweder handelt es sich hier um einen mutigen Schritt mit grossem Gewinnpotenzial, oder aber um ein Unterfangen, das jetzt schon zum Scheitern verurteilt ist. JetBlue, die sechstgrösste US-Fluglinie und Billig-Airline obendrein, ist in das Geschäft mit Transatlantikflügen eingestiegen (Nasdaq, JBLU, Kurs: 15.42 $, Marktkapitalisierung 4,9 Mrd. $). Seit Mitte August pendeln JetBlue-Maschinen zwischen New York und London. Im September sollen vier Flüge pro Woche abheben. Im kommenden Sommer soll London dann auch von Boston aus angesteuert werden.

Hochriskant scheint JetBlues Vorstoss auf neues Terrain zu sein. Viele Fluglinien vor ihr sind in dem verkehrsreichsten und damit meistumkämpften Reisemarkt der Welt bereits gescheitert. Zuletzt gab hier die Gesellschaft Norwegian Air Shuttle auf. Sie wurde ein Opfer der Coronakrise sowie der eigenen, rücksichtslosen Expansionsstrategie. Und selbst Überlebende im Langstrecken-Billigsegment schlagen sich nur mehr schlecht als recht. AirAsia X aus Malaysia hat beispielsweise seit dem Börsengang 2013 in nur zwei Jahren einen Vorsteuergewinn erzielen können.

Bewusster Zeitpunkt

JetBlue geht zudem in einer Zeit an den Start, in der sich die Branche immer noch von den Verwerfungen und den Quasi-Groundings der Coronapandemie erholt. Die Airline schrieb zum Halbjahr einen Verlust von 183 Mio. $. Immerhin: Im Vorjahreszeitraum betrug das Minus über eine halbe Milliarde, und im vergangenen zweiten Quartal stand zumindest wieder ein zaghaftes Plus von 64 Mio. $. JetBlue-CEO Robin Hayes sieht denn im Zeitpunkt genau seine Chance, wenn er sagt: «Mit der Öffnung Grossbritanniens für Reisende aus Amerika kommen unsere Flüge genau zum richtigen Zeitpunkt, um die aufgestaute Nachfrage nach Reisen zwischen unseren beiden Ländern zu befriedigen.»

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