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Hot Corner: Auf Elektrowerkzeuge bauen

Der Hongkonger Titel Techtronic Industries hat die Krise bewältigt und seit der Talsohle eine beeindruckende Aufholjagd gestartet.

Ernst Herb

Techtronic Industries (HKG: 0669, Kurs 61.60 HK-$, Börsenwert 113 Mrd. HK-$) ist zwar die Demütigung erspart geblieben «Penny Stocks» zu werden, also Aktien, deren Kurs unter 1 HK-$ (0.12 Fr.) notieren. Doch der Fall der Aktien von rund 20 HK-$ Mitte 2006 auf nur noch gut 1 HK-$ drei Jahre später war brutal.

Nun hat der Hongkonger Hersteller von mobilen Elektrowerkzeugen, Gartengeräten und Bodenpflegemaschinen die Krise hinter sich gelassen. Im Verlauf der vergangenen zehn Jahre hat sich der Aktienkurs fast vervierzigfacht und Anfang Mai ein Höchst von 62 HK-$ erreicht.

Beeindruckendes Wachstum 

Der Name TTI ist wohl nur Industrie-Insidern bekannt. Anders die Produkte, die weltweit unter den Markennamen Milwaukee, Ryobi oder auch Hoover in den Gestellen von Baumärkten liegen. Der weiterhin stark auf den US-Markt ausgerichtete Konzern konnte 2018 das Gewinnwachstum um 15,8% auf über 7 Mrd. US-$ steigern. Noch schneller ist mit 17% der Gewinn pro Aktie gewachsen.

Analysten des japanischen Finanzhauses Nomura gehen davon aus, dass sich das Resultat im laufenden und kommenden Jahr im selben Rahmen bewegen wird und empfehlen die Aktien zum Kauf. Diese Einschätzung wurde durch die Aufnahme von TTI im Leitindex Hang Seng (Hang Seng 23236.11 -0.19%) im vergangenen Jahr unterstrichen.

Die weiterhin guten Aussichten dürfen aber nicht über bestehende Risiken hinwegtäuschen, so etwa ein Konjunktureinbruch in den USA. Genau das war TTI zwei Jahre vor der globalen Finanzkrise zum Verhängnis geworden: Weil die hoch verschuldeten amerikanischen Haushalte kaum mehr in neue Häuser und Renovierungsarbeiten investierten, liess die Nachfrage nach Elektrowerkzeugen nach.

Home Depot (HD 178.7 -1.44%), die grösste amerikanische Baumarktkette und damals wichtigste Abnehmerin von TTI, kriegte das Nachlassen der Bautätigkeit schon sehr früh zu spüren. Auch 2018 gingen rund 45% des ganzen Verkaufs des Hongkonger Unternehmens an diesen Kunden. Das ist ein erhebliches Klumpenrisiko.

Wer wissen will, wie es mit TTI weitergeht, sollte daher die Titel von Home Depot nicht aus den Augen verlieren. Das Risiko ist dabei grösser. Denn TTI hat mit Stanley Black + Decker aus den USA oder auch Makita aus Japan zwei sehr starke Konkurrenten.

Innovative Produkte

Allerdings ist es den Hongkonger dank den Investitionen in Forschung und Entwicklung bisher stets gelungen, mit neuen innovativen Produkten auf den Markt zu kommen, so etwa mit einer leistungsfähigen und leichten Lithiumbatterie.

Weit voraussehend hat TTI zudem rechtzeitig seine starke Abhängigkeit vom Produktionsstandort China reduziert. Durch die Übernahmen von Traditionsunternehmen wie Milwaukee oder AEG hat das Unternehmen, das weiterhin von den Gründern kontrolliert wird, amerikanische und europäische Standbeine aufgebaut. Dank der globalen Aufstellung konnte TTI auch flexibel auf die von US-Präsident Donald Trump auf chinesischen Importe verhängten Strafzölle reagieren und hat bisher auch den Handelskrieg weitgehend schadlos überstanden.