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Hot Corner: Berauschende Aussichten

Der Bier- und Weinproduzent Constellation Brands wächst dank der Fokussierung auf Premium-Brands über dem Markt – nun soll Cannabis zu neuem Schub verhelfen.

Stefan Krähenbühl

Mit Alkohol lässt sich gutes Geld verdienen. Gemäss einer Studie der Medizinzeitschrift «The Lancet» ist der weltweite Konsum von 1990 bis 2017 um 70% gewachsen. In den USA ist Bier das alkoholische Getränk erster Wahl. 74,8 Liter Bier werden pro Kopf jährlich konsumiert – mehr als in England. Doch die Kunden sind wählerischer geworden. 2018 ist der Markt für Bierbilligmarken 4% geschrumpft. Auch günstige Weine verkaufen sich schlechter.

Vom Wandel im Konsumentenverhalten profitiert Constellation Brands (New York: STZ, Kurs: 200.10 $, Börsenwert: 38,3 Mrd. $). Der Getränkehersteller mit Sitz in Fairport, New York, hat sich im High-End-Segment eine gewichtige Marktposition aufgebaut. Das Unternehmen hält die Rechte von über zweihundert Bier- und Weinmarken, darunter Corona, Tsingtao und Robert Mondavi. Mit den zwei Divisionen Wein/Spirituosen und Bier erwirtschaftete Constellation Brands 2018 einen Umsatz von 7,6 Mrd. $ und schrieb 740 Mio. $ Gewinn.

Vom Fasswein zu Cannabis

Die Anfänge gehen auf das Jahr 1945 zurück. Im Alter von einundzwanzig Jahren beginnt Marvin Sands im Städtchen Canandaigua im Bundesstaat New York mit dem Verkauf von Wein in Fässern. Schon im ersten Jahr setzt er 150‘000 $ um. In den folgenden drei Jahrzehnten wächst das Unternehmen stetig und wagt 1973 den Schritt an die Börse. Eine Vielzahl von Übernahmen prägen die Achtziger- und Neunzigerjahre und erweitern das Angebot um Bier und Spirituosen. Bis 2018 bleibt die Geschäftsführung in Familienhand. Im März 2019 übernimmt der ehemalige COO Bill Newland den Posten.

Die Ausrichtung, die Newland geerbt hat, ist gegeben: Wachstum in den hochpreisigen Segmenten, Innovationen, wo sich Marktchancen auftun. Ende 2017 beteiligte sich das Unternehmen am kanadischen Cannabisproduzenten Canopy Growth (CGC 27.25 1.98%), um im Zuge der Hanflegalisierungswelle in Nordamerika einen Markt für THC-haltige Getränke aufzubauen. Heute hält sie an Canopy Growth 38%. Bill Newland spricht von einem potenziellen 200-Mrd.-$-Markt für legalen Cannabis über die nächsten zehn Jahre. Auch von diesem Kuchen will man sich ein  Stück abschneiden.

Fokus auf Frauen gerichtet

Neben Trends profitiert das Unternehmen vom demografischen Wandel. Die Marken Corona und Modelo sind besonders beliebt bei der spanischsprachigen Bevölkerung, die in den USA stark wächst. Um neue Absatzgruppen zu erreichen, will Constellation Brands über eine Venture-Capital-Tochter zudem gesamthaft 100 Mio. $ in Geschäfte investieren, die von Frauen gegründet wurden oder von Frauen geführt werden. Davon erhofft sich das Unternehmen vermehrt Zugang zu Konsumentinnen.

Für 2019 geht Constellation Brands von einem Gewinn je Aktie von 8.65 bis 8.95 $ aus. Daraus ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis um 23, was unter dem Schnitt der letzten fünf Jahre von 27 liegt. Interessanter als kurzfristige Prognosen ist aber die langfristige Positionierung von Constellation Brands. Der konsequente Abschied vom Billigsegment, dem allein letztes Jahr dreissig Marken zum Opfer fielen, stärkt das Unternehmen weiter. Schafft es Constellation Brands nun, ihr Cannabisinvestment in bare Münze zu wandeln, steht einem Kursschub der Aktie nichts im Weg.

 

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