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Hot Corner: Bessere Noten

Chegg verhilft Studentinnen und Studenten zu besseren Leistungen und Anlegern zu hohen Renditen.

Yvonne Debrunner

Josh Carlson, Mike Seager und Mark Fiddleke hatten ein Problem: Die Studenten der Iowa State University erhielten ohne Berufserfahrung keinen Job, und ohne Job keine Berufserfahrung. Ein Huhn-Ei-Dilemma, aus dem der Name ihres Unternehmens entstand: Chegg (von «Chicken» und «Egg»).

Chegg bietet einen Rundum-Service für Studentinnen und Studenten: Das kalifornische Unternehmen vermietet Lehrbücher und vermittelt Aufgabenhilfe. Eine unlösbare Gleichung? Abfotografieren und innerhalb von dreissig Minuten Hilfe erhalten, selbst um 3 Uhr morgens – so die Werbung. Auch Plagiattests oder Korrekturen zählen zum Angebot.

Zwanzig Fragen für 14.95 $

Der Umsatz kommt etwa hälftig durch die Vermietung von Lehrbüchern und die übrigen Dienstleistungen zustande. Die Services werden im Abonnement angeboten: Für 14.95 $ pro Monat kann man beispielsweise zwanzig Fragen an die Experten stellen, und erhält Zugang zu Beispiellösungen und Erklärvideos. Die Rückmeldungen fallen gut aus: In einer Kundenbefragung gaben 92% der Chegg-Nutzer an, dass der Service ihnen helfe, bessere Noten zu erzielen.

Seit November 2013 werden die Aktien von Chegg (NYSE: CHGG, 3,8 Mrd. $ Börsenwert, Kurs am Dienstag: 31.50 $) an der New Yorker Börse gehandelt. In den ersten Jahren entwickelte sich der Kurs enttäuschend. Der Ausgabepreis von 12.50 $ wurde etwa vier Jahre lang nie mehr erreicht. Zeitweise wurden die Titel nur noch zu rund 4.00 $ gehandelt.

In den vergangenen zwei Jahren hat aber eine Aufwärtsbewegung eingesetzt. Im August 2019 erreichten die Aktien das bisherige Höchst von rund 45 $. Zuletzt haben die Titel etwas an Wert eingebüsst und werden aktuell zu einem Kurs von knapp über 30  $ gehandelt. Da hat es Luft nach oben.

Wachstumsrate von 36%

Denn die Zahlen zeigen in die richtige Richtung: Über die vergangenen fünf Jahre wuchs der Umsatz von Chegg ­Services jährlich um mehr als ein Drittel. 2019 betrug das Plus 31%. Die bereinigte Betriebsgewinnmarge stieg ähnlich stark, wie das Unternehmen vor einem Monat bekanntgab.

Unterdessen haben sich 3,9 Mio. Personen für die Dienstleistungen registriert – das sind 29% mehr als vor einem Jahr. Die Zeichen für weiteres Wachstum stehen gut: Das Unternehmen selbst prognostiziert für das laufende Jahr erneut ein Umsatzwachstum von über 30% sowie eine steigende Marge. Der Markt ist gross: Allein in den USA gibt es 36 Mio. Studenten. Weitere 18 Mio. sind es in Kanada, Australien und Grossbritannien, wo Chegg ebenfalls versucht, Fuss zu fassen.

Von vierzehn Analysten, deren Einschätzungen in die Bloomberg-Datenbank einfliessen, empfehlen zwölf Chegg zum Kauf. Die anderen beiden raten zum Halten der Titel. Das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel der Analysten liegt bei 48.45 $, was einem Plus um mehr als 50% gegenüber dem Stand von heute entspricht.