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Hot Corner: Billiger geht nicht

Onlinehändler sind für die amerikanische Discount-Ladenkette Dollar Tree kaum eine Konkurrenz.

Andreas Meier

Aktien von Ladenketten waren einst Inbegriff einer defensiven Anlage. Je breiter das Sortiment, desto höher der defensive Aspekt. Mit Titeln von US-Warenhaus- und Supermarktketten wie Woolworth oder Macy’s konnte früher nichts schiefgehen. Sie boten ziemlich regelmässige Kursgewinne und kontinuierliche Dividendenzahlungen.

Doch dann kam der Onlinehandel, und alte Gewissheiten galten nicht mehr. Aktienanlagen klassischer Detailhändler sind seither ein Minenfeld.

Dennoch gibt es nach wie vor funktionierende Ladenkonzepte, mit höchst beständiger Geschäftsentwicklung und ansprechender Rendite für Investoren. Dazu zählt etwa die amerikanische Discount-Ladenkette Dollar Tree (Nasdaq: 110.40 $; Ticker: DLTR; Börsenwert 26,5 Mrd. $). Sie hat sich auf das Angebot von Produkten spezialisiert, die meist bloss einen Dollar oder weniger kosten. Die Tochtergesellschaft Family Dollar, die 2015 akquiriert wurde, bietet Waren zu höchstens zehn Dollar an.

Mehr Standorte als McDo

In den über 15 000 Läden in den USA und Kanada bieten die beiden Ketten ein breites Sortiment an, das von Haushalts-, Papeterie- und Dekorationsartikeln über Spielwaren, Kosmetik, Bücher bis zu Lebensmitteln reicht.

Die Läden befinden sich meist an gut frequentierten Standorten vor allem in kleineren Orten und mittelgrossen Städten. Von der Ausdünnung im stationären Detailhandel bedingt durch die Onlinekonkurrenz dürfte Dollar Tree eher profitieren. Gute Standorte sind leichter erhältlich, und das vielerorts geringere Ladenangebot könnte höhere Kundenfrequenzen bescheren.

Ein-Dollar-Läden wie Dollar Tree treten zudem vermehrt in Konkurrenz zum Supermarktriesen Walmart (WMT 120.08 -0.14%). Neue Studien zeigen, dass Leute mit niedrigem Einkommen zunehmend in einem Ein-Dollar-Shop einkaufen als bei Walmart.

Auch der Onlinehandelsgigant Amazon (AMZN 1748.7 -0.22%) scheint kaum eine Konkurrenz. Die Ein-Dollar-Läden sind für rund 75% der Amerikaner in höchstens fünf Minuten erreichbar. Es gibt davon mehr als McDonalds-Restaurants. Dazu ist ein Teil des Sortiments auf Spontankäufe ausgerichtet und es braucht zum Einkaufen auch keine Kreditkarte.

Krisensicheres Geschäft

Die Geschäftsentwicklung von Dollar Tree lässt sich sehen. Der Umsatz steigt von Quartal zu Quartal, seit über zehn Jahren. Selbst in der Finanzkrise konnte regelmässig mehr umgesetzt werden. Die Wachstumsraten sind zwar mit 2 bis 4% (ohne Akquisitionen) nicht sehr hoch, doch von hoher Stetigkeit. Eine Dividende bezahlt Dollar Tree allerdings nicht. Dafür werden Aktien zurückgekauft, was den Gewinn pro Aktie günstig beeinflusst.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 sind die Titel derzeit nur leicht über dem eigenen Durchschnitt der letzten zehn Jahre bewertet.

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