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Hot Corner: Blaue Wunderhosen

Der Jeans-Hersteller Levi Strauss hat im März ein fulminantes Börsendebüt hingelegt. In der Zwischenzeit notieren die Aktien deutlich niedriger – eine Kaufgelegenheit.

Arno Schmocker

Für einmal begleiten Bluejeans statt edle Massanzüge den grossen Auftritt an der Börse: Im März bejubelt das Management die Rückkehr von Levi Strauss (New York: LEVI, 18.96 $, Börsenwert 7358 Mio. $), nach fünfunddreissigjähriger Abwesenheit.

Zu Beginn reissen sich die Anleger um die Aktien: Am ersten Handelstag klettert der Kurs 32%. Die zu 17 $ ausgegebenen Papiere steigen bis Mitte April noch auf 24 $, doch nach eher enttäuschenden Unternehmenszahlen im zweiten Quartal sinkt der Kurs unter den Emissionspreis.

Das traditionsreiche Jeans-Unternehmen war bereits von 1971 bis 1984 an der Börse präsent gewesen. Mit der neuerlichen Publikumsöffnung hat es 625 Mio. $ aufgenommen. Die Familie Haas, indirekte Nachkommen des Firmengründers, hält über eine duale Aktienstruktur immer noch eine solide Mehrheit der Stimmen.

Femininer werden

Die frischen Mittel werden für den Ausbau des Netzes eigener Läden verwendet. Sie bedingen höhere Investitionen als der Grosshandelskanal, erwirtschaften aber bessere Margen. Ausserdem tragen sie dazu bei, die Marke Levi’s zu stärken. Sie steht in hartem Konkurrenzkampf mit anderen Jeans-Marken wie Wranglers, Diesel oder Lee.

Das 1847 vom bayerischen Einwanderer Levi Strauss in San Francisco gegründete Unternehmen will mehr Frauen ansprechen. Dieses Segment kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatzanteil von 29%, Tendenz steigend. Auch T-Shirts wachsen überproportional, sie bringen jeden fünften Umsatzdollar ein. Wachstumspotenzial bieten zudem aufstrebende Volkswirtschaften, vor allem China, wo Levi Strauss erst 3% des Umsatzes erwirtschaftet.

Das Unternehmen gibt 10% des Umsatzes für Marketing aus. Levi Strauss schafft es immer wieder, neue Konsumenten anzusprechen. Zu Beginn eine Arbeitshose für Goldgräber und Cowboys, wurden die Jeans in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts zur Ikone junger Rebellen (Marlon Brando im Film «The Wild One») und Rockstars (Bruce Springsteen trägt sie auf dem Cover des Albums «Born in the USA»). Heute werben Filmstars, Sänger und Models für sie.

Schwierigeres Jahr 2019

Nach einem Umsatzwachstum von 14% auf 5,6 Mrd. $ im vergangenen Jahr rechnet das Management für 2019 mit einer Zunahme von 8 bis 9% und einer leichten Steigerung der Betriebsgewinnmarge. Im ersten Semester stieg die Ebit-Spanne 0,6 Prozentpunkte.

Am Dienstag nach Börsenschluss hat Levi Strauss die Ergebnisse des dritten Quartals publiziert. Nach einem Tagesverlust von 4% werden die Titel nachbörslich höher gestellt.

Das Umsatzwachstum von 5% in konstanter Währung und die Zunahme des operativen Ergebnisses um 2% übertrafen die Erwartung der Finanzanalysten. Die Quartalsdividende wird 7% erhöht. Über neun Monate hat der Jeans-Hersteller die Einnahmen 8%, den bereinigten Ebit 11% und den bereinigten Gewinn 16% gesteigert.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 und einer Dividendenrendite von etwa 3% sind die Aktien unter 21 $ eine Kaufüberlegung wert.