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Hot Corner: Cool bleiben

Die US-Outdoor-Marke Yeti hat mit High-End-Kühlboxen eine Nische besetzt und will nun international wachsen.

Stefan Krähenbühl

Die USA sind ein Land von Fischern. Jeder sechste US-Amerikaner geht Umfragen zufolge mindestens einmal im Jahr angeln – knapp 50 Mio. Menschen, die ihre Köder regelmässig auswerfen. Auch die Brüder Roy und Ryan Seiders haben ihre freien Stunden von klein auf zwischen Campingstuhl und Köderbox verbracht. Und fanden darin ihre Berufung. Roy werkelte beruflich an Booten, Ryan verdiente sein Geld mit Angelruten, als sie sich 2006 zusammentaten, um sich auf ein anderes, wichtiges Equipment zu konzentrieren: die Kühltruhe.

Im gleichen Jahr brachte ihr junges Unternehmen Yeti (NYSE: YETI, Schlusskurs am Montag 27.22 $, Börsenwert 2,36 Mrd. $) den Sherpa Cooler auf den Markt. Eine High-End-Kühltruhe zum zehnfachen Preis von allem, was damals als Massenware verfügbar war. Dem Erfolg tat das keinen Abbruch. Mit ihrer Box (BOX 19.37 -3.05%) trafen die Seiders einen Nerv. Sie wurde zum «Must Have» für ambitionierte Fischer. Und die Fischer wurden zur treuen Community der neuen Marke.

 Direktverkauf zieht an

 Noch heute sind Kühltruhen die Verkaufsschlager von Yeti, jedoch ist das Sortiment auf Outdoor-Ausrüstung wie Rucksäcke und Trinkbecher ausgebaut worden. Mit der Zielgruppe wuchs der Umsatz. 2019 lag er mit 914 Mio. $ rund 17% über Vorjahr, 2018 lag die Wachstumsrate bei 21%. Treibende Kraft ist der Verkauf über den eigenen Onlineshop und über Amazon (AMZN 2471.04 1.17%). Yeti investiert Millionen, um den Direktverkauf anzukurbeln.

Das zahlt sich in der Krise aus. Während Analysten für den Umsatz über Zwischenhändler mit Einbussen bis ins vierte Quartal rechnen, dürfte sich der Direktverkauf, der 42% des Ertrags ausmacht, rasch erholen. Die Verlagerung weg vom Zwischenhandel könnte sich in Zukunft doppelt bezahlt machen. Mit schnellem Wachstum – Prognosen gehen beim Direktverkauf von bis 25% pro Jahr aus – und mit höheren Margen. Chancen bietet zudem die geplante Expansion. Aktuell trägt das internationale Geschäft erst mit 4% zum Ertrag bei.

 Quartal über Prognose

 Vorerst wird die Krise dem Geschäft aber einen Dämpfer verpassen – vor allem im zweiten Quartal. Luft verschafft das gute Ergebnis per Ende März, das Yeti am Donnerstag präsentiert hat. Der Ebitda lag mit 23,8 Mio. $ 22% über Vorjahr, wozu primär das Wachstum im Direktverkauf (+29%) beigetragen hatte. Entsprechend besser ist die Marge. Die Umsatz- und Ertragsprognosen hat Yeti mit ihrem Ergebnis übertroffen. Die Aktien legten im frühen Handel rund 9% zu.

Mit einer Nettoverschuldung zum Ebitda von 1,3 und respektablem Cashbestand ist Yeti zudem gut gerüstet. Dem Fortschreiben der Wachstumsstory nach der Krise sollte nichts im Weg stehen. Das zeigt sich auch im Aktienkurs. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 33 für 2020 sind die Titel nahe an ihrer Höchstbewertung (36). Angesichts der jüngsten Zahlen haben mehrere Analysten ihre positive Prognose aber bestätigt. Zwölf Kaufempfehlungen stehen derzeit drei «Halten» gegenüber.

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