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Hot Corner: Das bessere Einhorn

Datadog hilft Anbietern von Online-Services sicherzustellen, dass ihr Dienst funktioniert. In vier Monaten haben sich die Papiere um fast 50% verteuert.

Yvonne Debrunner

Bei hochbewerteten, aber noch unprofitablen Techunternehmen, die neu an die Börse kommen, dürften Anleger derzeit skeptisch sein. Mit gutem Grund: Einige dieser sogenannten Einhörner erwiesen sich als wenig wertbeständig. So notieren die Aktien des Fahrdienstvermittlers Uber (UBER 40.72 -0.49%) acht Monate nach dem Börsengang 25% unter dem Ausgabepreis. Noch schlimmer erging es Konkurrentin Lyft (LYFT 44.7 -1.69%): Die Titel haben seit dem Börsengang im vergangenen Frühling ein Minus von 36% eingefahren. Snap (SNAP 16.7 -1.3%), die Betreiberin von Snapchat, ist seit zwei Jahren kotiert. Zwischenzeitlich verloren die Titel bis zu 70% ihres Werts. Unterdessen notieren sie ungefähr auf dem Niveau des Ausgabepreises.

Bisher nicht diesem Muster folgt Datadog (Nasdaq: DDOG, 11,9 Mrd. $ Börsenwert, Kurs am Freitag: 40.15 $), deren Aktien seit Herbst 2019 gehandelt werden. In vier Monaten haben sich die Papiere um fast 50% verteuert. Seither gelten die Aktien als hot und kursieren auf diversen Top-Picks-Listen.

Hilft, Fehler zu entdecken

Tatsächlich scheint Datadogs Produkt zukunftsträchtig zu sein: Die Software hilft Anbietern von Online-Services sicherzustellen, dass ihr Dienst funktioniert. Wer schon jemals Probleme mit einem Log-in hatte oder in einem Online-Bestellungsprozess hängen blieb, weiss, wie wichtig das ist. Die cloudbasierte Lösung sammelt und visualisiert Daten, etwa zur Verzögerungszeit oder zur Fehlerverteilung von Diensten und hilft so, Störungen schnell zu entdecken und zu beheben.

Zudem generiert die Software Tests, die regelmässig und automatisch überprüfen, ob die verschiedenen Anwendungen funktionieren. Sie soll ausserdem ein besseres Verständnis des Kundenverhaltens ermöglichen und die Zusammenarbeit zwischen den Entwickler- und den Betreiberteams erleichtern. Auf seiner Website zählt Datadog zahlreiche namhafte Kunden auf, darunter Swiss Re (SREN 104.2 -2.89%), Siemens (SIE 105.34 -0.85%), Easyjet, FedEx (FDX 163.25 -1.01%), Twitter (TWTR 38.31 -1.9%),  AirBnB, Axel Springer oder The Washington Post.

Den Beweis, dass sich mit dem Produkt Geld verdienen lässt, hat Datadog bislang allerdings noch nicht erbracht. Das erst 2010 gegründete Unternehmen schreibt rote Zahlen. Im Vergleich zum Verlust anderer Börsenneulinge aus der Techbranche, die teilweise regelrechte Geldverbrennungsmaschinen sind, ist der Fehl­betrag aber gering: Im dritten Quartal 2019 betrug das operative Minus 4,2 Mio. $. Für das gesamte vergangene Jahr prognostizierte Datadog einen Betriebsverlust von 18 bis 20 Mio. $.

Beeindruckend sind derweil die Wachstumsraten: Für das dritte Quartal wies das junge Unternehmen  mit Sitz in New York einen Erlös von 96 Mio. $ aus, was im Vorjahresvergleich einem Plus von 88% entspricht. Für das Gesamtjahr lautet die Umsatzprognose 350 bis 352 Mio. $. Gegenüber dem Vorjahr würde das ein Wachstum von 77% bedeuten.

Übernahmeofferte abgelehnt

Kräftig Aufwind verlieh den Datadog-Aktien nach dem Börsengang ein Bloomberg-Bericht. Gemäss diesem wollte der IT-Konzern Cisco das Unternehmen noch vor dem IPO übernehmen. Cisco habe deutlich mehr als die 7 Mrd. $ geboten, die Datadog als Bewertung an der Börse angestrebt habe, heisst es darin mit Verweis auf anonyme Quellen. Das Unternehmen habe die Offerte jedoch abgelehnt.

Derzeit kosten die Datadog-Aktien 40.15 $. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel von Analysten liegt bei 43.50 $. Bis sich zeigt, ob sich die Lösung des Unternehmens am Markt durchsetzen kann und ein allfälliger Gewinn anfällt, wird es aber noch länger als ein Jahr dauern. Daher empfiehlt sich eine Investition in die Titel nur für risikofreudige Anleger mit langem Atem.

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