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Hot Corner: Diagnose-Volltreffer

Die deutsche Stratec ist eine Konkurrentin von Tecan. Beide Aktien handeln auf Allzeithoch, doch Stratec sind günstiger.

Arno Schmocker

Diagnostik gilt nicht als besonders ­attraktives Segment der Medizinal­technikbranche. Die Coronapandemie hat das geändert. Der deutsche Labordienstleister Stratec (Xetra: SBS, Kurs: 88.20 €, Börsenwert 1062 Mio. €) weckt unter Investoren neuerdings viel Aufmerksamkeit. Nach Mitte März sind die Aktien von 53 auf über 90 € geschnellt, so hoch wie noch nie.

Stratec hat mit der gleichnamigen Schweizer Medtech-Firma, die mit Synthes fusionierte, nichts zu tun. Das 1979 gegründete Unternehmen hat den Hauptsitz in Birkenfeld bei Pforzheim. Gründer Hermann Leistner ist mit 41% immer noch Hauptaktionär.

Konkurrent von Tecan

Stratec hat gleichwohl Bezüge zur Schweiz. Seit 2005 produziert sie auch in Beringen/SH. Zudem ist sie teilweise vergleichbar mit Tecan (TECN 456.4 -2.81%) am Zürichsee. Deren Aktien werden ebenfalls auf Allzeithoch gehandelt.

Beide bieten Analysesysteme sowie Software für Medizinlabors an. Die Alterung der Bevölkerung, die wachsende Ausbreitung chronischer Krankheiten sowie der Trend, dass grosse Diagnostikunternehmen Teile der Wertschöpfung auslagern, treiben die Nachfrage stetig. Der Outsourcing-Anteil am Markt für Analyseinstrumente hat seit 2010 von 27 auf 40% zugenommen. Der Markt wächst etwa 5% pro Jahr, nun mit Corona möglicherweise mehr.

Tecan beliefert zudem Kunden der Pharma- und der Biotech-Industrie und ist fast dreimal grösser im Umsatz.  Stratec verzeichnet dafür höheres Wachstum. Etwa zwei Drittel der grössten zwanzig Diagnostikfirmen zählen zum Kundenstamm, darunter Roche (ROG 311.45 -0.26%), Abbott und Siemens (SIE 110.46 -0.45%) Healthineers (SHL 38.355 0.17%). Finanzanalysten rechnen für 2020 mit einem 13% höheren Umsatz von 250 Mio. €, für das kommende Jahr mit 275 Mio. € oder 10% mehr (Tecan +5 resp. +7%). Die Bank Berenberg erwartet bis 2024 prozentual zweistellige Wachstumsraten und steigende Profitspannen für Stratec.

Hohe Profitabilität

Etwa ein Drittel der Einnahmen wird mit Service und Ersatzteilen erwirtschaftet. Das sichert dem Unternehmen wiederkehrenden Ertrag und ansprechende Margen. Die Ebitda-Spanne bewegt sich, wie im Fall von Tecan, in einer Grössenordnung von 20%.

Tecan ist geografisch breiter abgestützt, ihre Bilanz ist mit einem Eigen­kapitalanteil von 70% und einer Nettoliquidität von über 300 Mio. Fr. besonders robust. Das sind Gründe, weshalb die ­Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 44 (2020) und 40 (2021) teuer sind.

Stratec sind mit einem KGV von 33 und 28 auch kein Schnäppchen. Bei ­beiden Valoren ist Vorsicht angebracht. Der aktuelle Börsenkurs liegt schon rund 10% über dem Zielkurs, den die Finanzanalysten im Durchschnitt gesetzt haben. In Marktkorrekturen könnten sie überdurchschnittlich sinken. Doch dann heisst es zugreifen.