Blogs / Momentum

Hot Corner: Gewinnformel aus den Jungferninseln

Die in der Schweiz kotierte Beteiligungsgesellschaft Formulafirst setzt auf Unternehmen, in deren Führungsgremien der Haupt­aktionär stark präsent ist.

Thomas Hengartner

Der Firmensitz ist auf den britischen Jungferninseln, 100 km übers karibische Meer von Puerto Rico und noch etwas weiter von Kuba entfernt. Doch weder tropische Lebensfreude noch Weltläufigkeit bestimmen die Dinge. Der Fokus ist gänzlich auf das deutschsprachige Europa und hier auf Beteiligungen an eigentümergeführten Unternehmen konzentriert. Operative Basis sind Zug und Zürich, wo der Vermögensverwalter 2trade Büros unterhält. Er ist das Kontrollzentrum der Beteiligungsgesellschaft Formulafirst (FFI 30.2 1.34%) (SIX Swiss Exchange: FFI, Kurs 31 Fr., 24 Mio. Fr. Börsenwert).

Die im Namen anklingende Gewinn-formel unterstellt, dass sich mit der richtigen Rezeptur erstrangige Ergebnisse erzielen lassen. Im Fall von Formulafirst sind das Investments in Unternehmen, in deren Führungsgremien der Haupt­aktionär stark präsent ist.

Von Swatch Group bis SAP

Viele dieser Familien würden für eine langfristig überdurchschnittliche Wertentwicklung von Unternehmen und für die Aktionäre bürgen, sagt auf Anfrage Martin Treffer von 2trade: «Sie handeln verantwortungsbewusst, meiden die grossen Risiken und können oft anti­zyklisch in schwierigen Phasen dank grossem Eigenkapital mutig für den langfristigen Erfolg investieren.»

Die von Formulafirst mandatierte 2trade selektioniert im deutschsprachigen Europa unter den 50 höchstkapitalisierten Gesellschaften, die den beschriebenen Kriterien entsprechen. «Meist umfasst unsere Auswahl 15 bis 20 Zielunternehmen», ergänzt Treffer, der früher beim Zuger Handelshaus Marc Rich im Rohstoff-Trading arbeitete und vor 20 Jahren zusammen mit Partnern 2trade gründete. Aktuell ist Formulafirst in den Papieren der deutschen Unternehmen Fresenius (FRE 68.96 2.28%), Krones (KRN 85.9 4.12%) und SAP (SAP 100.96 3.01%) investiert, wie auch in Swatch Group (UHR 345.8 2.22%) und SGS (SGSN 2302 1.86%) aus der Schweiz.

Monatliche Berichte halten die Anleger informiert. Formulafirst organisiert einen steten Handel in den eigenen Aktien. Das wird dem Unternehmen mit Rechtssitz auf den britischen Jungferninseln erleichtert, weil dort – anders als im schweizerischen Unternehmensrecht – jederzeit formlos Aktien zurückgenommen oder bis zur eingetragenen Höchstmenge ausgegeben werden können.

85% Aktien-Eigenbestand

So ist es Formulafirst leicht möglich, Nachfrageschwankungen der Aktien aufzufangen und den Kurs dauerhaft nahe am Buchwert zu halten. Aktuell sind von den maximal 9 Mio. Aktien nur eine geringe Zahl ausgegeben, weshalb bei der SIX Swiss Exchange ein Eigenbestand von 85% gemeldet ist.

Die mit 24 Mio. Fr. geringe Portfoliogrösse hat einen hohen Kostensatz von 2,3% zur Folge, weil die fixen Grundkosten auf ein niedriges Volumen verteilt werden müssen. «Dennoch schlagen wir den Vergleichsindex», bemerkt Treffer. So liefert Formulafirst trotz fernem Rechtsdomizil dank grundsoliden schweizerischen Investmentideen gute Resultate.

Leser-Kommentare