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Hot Corner: Die gute Stube wird zum Casino

Auch Glückspiel findet immer öfter zuhause statt. Die Online-Casino-Spiele von Evolution Gaming liefern das Live-Erlebnis dazu.

Eflamm Mordrelle

Immer mehr Freizeitaktivitäten haben sich in die eigenen vier Wände verlagert, auch Glücksspiele. Der Trend bestand schon vor der Pandemie. Doch seit die Pokertische wegen Corona geräumt werden mussten, wird das Glückspiel­erlebnis über PC oder Handy zum Ersatz für den Gang ins Casino. Davon profitiert der Live-Casino-Betreiber Evolution Gaming (Evolution Gaming 121.40 -2.91%) (1093 sKr., Nasdaq Stockholm: EVO, Börsenwert: 232 Mrd. sKr.).

Die Aktien des 2006 in Riga gegründeten und seit 2015 kotierten Tech-Unternehmens haben sich in zwölf Monaten rund 173% verteuert, in den letzten vier Wochen sind sie ein Viertel avanciert.

Live-Spielfieber

Evolution Gaming ist selbst kein Online-Casino, sondern verkauft Software­anwendungen- und Live-Spiel-Übertragungen an klassische und Online-Casino-Betreiber weltweit. Das funktioniert so: Per Livestream schalten sich Gambler übers Internet an reale Spieltische ein. Diese sind mit menschlichen ­Dealern, die sich statt im Casino in einem Studio aufhalten, besetzt. Kameras übertragen das Spielgeschehen bei Baccarat, Blackjack, Craps, Roulette und Dutzenden anderen Spielen. Durch Echtzeit-Interaktion am PC oder via Handy entsteht Casino-Atmosphäre.

Das ist personalintensiv – Evolution beschäftigt bei 561 Mio. € Umsatz (2020) rund 8700 Leute. Doch die virtuelle, aber menschliche Interaktion kommt gut an, Spielfieber inklusive. Nachdem in Riga ein erstes Casino-Studio mit über hundert Tischen entstanden war, folgten weitere Spielstudios in Spanien, auf Malta, Belgien, Rumänien und Litauen – eher Tieflohnländer. Seit 2018 ist Evolution auch in Nordamerika präsent.

Die USA im Visier

Obwohl bekannte Buchmacher und Casino-Betreiber wie William Hill (WMH 3.10 0%), PartyGaming und Bet-at-Home zu den Kunden gehören, ist Evolution hauptsächlich in Europa stark. Aus dem riesigen US-Markt kommt bislang weniger als ein Zehntel des Umsatzes. Doch das könnte sich bald ändern. Ende 2020 gab Evolution die Übernahme des Konkurrenten Netent für rund 2,1 Mrd. Fr. bekannt. Damit konnte das Angebot um Online-Spielautomaten erweitert und, noch wichtiger, die Präsenz in den USA deutlich vergrössert werden.

Zusammen mit Netent kann Evolution nun ein komplettes Casino-Spielangebot offerieren und weiter in den zwar stark regulierten, aber grossen US-Markt vordringen, wo gerade ein zweites Spielstudio in Michigan entsteht. Die Voraussetzungen für weiteres Wachstum sind ideal. Dabei brummt das Geschäft bereits: Im Coronajahr 2020 wuchs der Umsatz um mehr als die Hälfte auf 561 Mio. €, die Ebitda-Marge erreichte fast 60%. Evolution ist hoch profitabel und verbuchte einen Gewinn von 285 Mio. €, was für eine Dividende reichte – ungewöhnlich für ein schnell wachsendes Tech-Unternehmen, macht aber die extrem hohe Aktienbewertung (KGV 21: 449) etwas erträglicher.