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Hot Corner: Digitaldruck

Der Digitaldruck ermöglicht im Textilbereich neue Geschäftsformen. Kornit Digital profitiert davon.

Andreas Meier

Ein Unternehmen, das Digitaldruckmaschinen herstellt, mag auf den ersten Blick nicht mit dem Begriff Technologie in Verbindung gebracht werden. Allenfalls stellt der Begriff Digital noch die Assoziationen eines innovativen Produkts her, doch digitales Printen gibt es schon seit Jahrzehnten, jeder weiss das, der einen Fotokopierer benutzt (hat) oder einen Printer für seinen Computer zuhause stehen hat.

Das gilt allerdings nur für den Druck auf Papier. Im Bereich des Textildrucks ist digitales Drucken noch weniger üblich. Doch gerade hier führt die Digitalisierung zu den typischen Marktverschiebungen und Disruptionen, wie sie für Technologieprodukte oft so typisch sind. Ein Unternehmen, das davon profitiert, ist der israelische Hersteller von Digitaldruckmaschinen Kornit Digital (KRNT 46.91 -2.11%) (Nasdaq: KRNT, Schlusskurs am Donnerstag 29.23 $, Börsenwert 1,19 Mrd. $). Es hat sich auf Stoffdruck spezialisiert und bietet neben den Printern auch die Druckfarbe an, bekanntermassen das wertschöpfungsreichste Utensil im Druckprozess.

Schneller und flexibler

Die Digitalisierung revolutioniert den Druck von Stoffen und Kleidern. Grösste Vorteile sind, dass selbst Kleinserien oder Einzelstücke zu vernünftigen Preisen hergestellt werden können, was ganz im Trend des Strukturwandels im Modebereich hin zu immer grösserer Individualisierung und schnellerem Takt in den Designwechseln liegt. 

Dazu kommt, dass der Digitaldruck – neben der hohen Individualisierung und Flexibilität – weniger Arbeitsschritte benötigt und einen geringeren Druckfarbenverbrauch aufweist.

Der digitale Druck ermöglicht neue Geschäftsmodelle im Textilgeschäft, wie sie etwa die amerikanische Spoonflower anbietet. Auf deren digitaler Plattform kann man eigene oder von anderen hochgeladene Textildesigns in frei wählbarer Menge auf die gewünschte Stoffqualität drucken lassen. Gedruckt wird auch mit Kornit-Equipment. 

Kornit Digital hat 2019 einen Umsatz von 180 Mio. $ erzielt, 26% mehr als im Jahr davor. Als Gewinn werden knapp 20 Mio. $ ausgewiesen, was einer Marge von 10,9% (Vorjahr 9,2%) entspricht. Gut 50% des Umsatzes entfallen auf Printer, 36% tragen die Druckfarbenverkäufe bei, und 13% Serviceleistungen. 

Kaufgelegenheit

Für 2020 waren wiederum deutlich zweistellige Zuwächse prognostiziert, doch die Coronakrise hat, wie fast überall, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im ersten Quartal werde der Umsatz 35 bis 45% unter Vorjahr liegen, meldete das Unternehmen am 26. März.

Der Rückschlag dürfte aber nur temporär sein. Die Perspektiven bleiben dieselben, der Trend weist in Richtung Digitaldruck, unterstützt vom noch immer zunehmenden Mode-Onlinehandel, der die «On Demand»-Produktion noch begünstigt. Der Kursrückschlag durch die Coronakrise kann da ein guter Einstiegszeitpunkt bieten. Die Analysten von Barclays (BARC 122.86 3.19%) haben für die Kornit-Titel ein Kursziel von 40 $ gesetzt.

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