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Hot Corner: Dress for Less zieht

Schwierige Zeiten bringen dem amerikanischen Off-Price-Retailer mehr Kundschaft.

Christian Braun

Das Börsenkürzel ROST bringt deutschsprachige Anleger leicht auf eine falsche Fährte. Denn an Ross Stores (Nasdaq: ROST; Kurs: 90.63 $; Börsenwert: 32,2 Mrd. $), wofür das Kürzel steht, ist gar nichts rostig. Kaum ein Bekleidungs- und Heimmode-Einzelhändler arbeitet so erfolgreich wie die US-Gesellschaft mit Sitz im 70 km östlich von San Francisco gelegenen Dublin.

Im Schnitt der letzten zwanzig Jahre hat sie den Umsatz gut 10% und den Gewinn gut 13% pro Jahr erhöht. Mit der Hauptkette Ross Dress for Less und mit dd’s Discounts wurden im Geschäftsjahr per Ende Januar 16 Mrd. $ umgesetzt. Daraus ergaben sich 1,66 Mrd. $ Gewinn, gut 10% des Umsatzes.

Seit mehr als zwanzig Jahren gehen Umsatz und Gewinn ununterbrochen nach oben. Von einer Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 ist in den ­Zahlen nichts zu sehen. Dieses Jahr wird der ­beeindruckende Trend jedoch reissen. Nachdem der Februar gemäss CEO ­Barbara Rentler noch über Erwarten gut war, sind am 20. März wegen der Pandemie sämtliche Filialen – 1546 von Ross, 259 von dd’s – geschlossen worden. Nun öffnen die ersten wieder.

Komfortable Finanzlage

Finanziell sollte das zu bewältigen sein. Ross ist cashflowstark, solide finanziert und kauft regelmässig eigene Aktien zurück, das laufende Programm über 2,55 Mrd. $ ist jedoch ausgesetzt. Ohne Leasingverbindlichkeiten hatte die Gruppe per Ende Januar eine Nettoliquidität, mit ihnen resultiert eine Verschuldung von 0,7-mal Ebitda.

Die für Donnerstag angekündigten Quartalszahlen per Ende April werden übel aussehen. Für das ganze Jahr ist ­gemäss Bloomberg-Konsens mit einem Fünftel weniger Umsatz und nur gut halb so viel Gewinn zu rechnen. 2021 soll die Scharte im Umsatz ganz und die im Gewinn fast ausgewetzt sein. Zu ­optimistisch? Nicht unbedingt. Selbst wenn die Folgen der Pandemie noch kaum abzusehen sind, grundsätzlich schlägt sich Ross Stores in Phasen schwacher Konjunktur gut.

Bewährtes Konzept

Das liegt am Konzept. Ross Dress for Less ist die führende Einzelhandelskette im Off-Price-Bereich. In den Läden wird Markenware angeboten – zu günstigen Konditionen meist direkt beim Hersteller eingekauft –, deren Preis 20 bis 60% unter dem von Warenhäusern liegt. Die Läden selbst sind schmucklos, meist gross und an Ausfallstrassen gelegen. Fast täglich gibt es neue Ware, die zur Schnäppchenjagd einlädt.

Das Konzept hat sich bewährt. In härteren Zeiten nimmt seine Anziehungskraft noch zu. Obwohl ROST inzwischen die Hälfte des Einbruchs wettgemacht haben, sind sie nach wie vor ­attraktiv. 20 von 29 durch Bloomberg ­erfasste Wertschriftenhäuser haben sie auf «Kaufen» gestellt, die anderen auf «Halten». Ihr Kursziel auf Zwölfmonatssicht beträgt im Schnitt 100 $.

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