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Hot Corner: Ein Zeichen der Hoffnung

Kraft Heinz spielte einst mit den Branchenführern Nestlé und Unilever in einer Liga. Dann kam der Absturz. Und nun der Turnaround?

Martin Lüscher

Das waren sich die Aktionäre des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Heinz (KHC 26.07 -2.1%) (Nasdaq: 32.76 $; Ticker: KHC; Börsenwert 40 Mrd. $) nicht mehr gewohnt. Nach der Publikation der Zahlen zum dritten Quartal avancierten die Titel des Herstellers von Philadelphia-Streichkäse mehr als 13%. Was für eine erfreuliche Abwechslung.

Weder ein Abschreiber in Milliardenhöhe, noch die Ankündigung einer Untersuchung der Börsenaufsichtsbehörde oder eine Dividendenkürzung führte zu einem Absturz wie nach den Quartalsabschlüssen zuvor. Für einmal gab es von Kraft Heinz «Courant normal».

Für den angeschlagenen Konzern bedeutet das zwar immer noch einen organischen Umsatzrückgang von 1,1% sowie eine Reduktion des adjustierten operativen Gewinns vor Amortisation und Abschreibung (Ebitda) von 7,8%. Das war aber besser als von den Analysten befürchtet.

Früher war es anders

Einst spielte Kraft Heinz mit den Branchenführern Nestlé (NESN 104.78 -1%) und Unilever in einer Liga. Doch dann folgte der Absturz. Eine auf Profitabilität getrimmte Strategie würgte das Wachstum ab. Der Unternehmenswert schmolz dahin. Ab 2017 verloren die Titel zwei Drittel an Wert, wohingegen Nestlé und Unilever zulegten.

Denn während Nestlé und Unilever auf die veränderten Herausforderungen reagierten, verschlief Kraft Heinz den Trend nach gesunden und lokalen Produkten. Diesen Fehler hat der Konzern eingesehen. Darum übernahm im Mai Miguel Patricio als CEO. Er soll das in die Jahre gekommene und aus der Gunst gefallene Portfolio (mit Produkten wie Heinz Ketchup und Kraft’s Mac & Cheese)attraktiver gestalten.

Wichtiger erster Schritt

Bis zum erfolgreichen Turnaround ist es aber noch ein weiter Weg. Denn dafür benötigt der neue CEO erst einmal einen Plan. Dieser soll Anfang nächstes Jahr präsentiert werden. Unter die Lupe nehmen werden diesen nicht nur die Anleger. Auch die Ratingagentur S&P wird ihn genau analysieren. Für sie ist es entscheidend, dass Kraft Heinz überzeugend darlegt, wie der Nahrungsmittelkonzern die Verschuldung nachhaltig reduzieren kann. Denn sonst droht eine Herabstufung in den Ramschbereich.

Noch klammert sich Kraft Heinz an das Rating BBB- mit negativem Ausblick fest. Eine Verschlechterung würde dem Konzern den Zugang zum Kapitalmarkt erheblich erschweren. Mit Vorsicht zu geniessen ist darum auch die niedrige Bewertung gemessen anhand des vorausschauenden Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 13. Im historischen Vergleich und gegenüber der Konkurrenz erscheinen die Titel günstig. Hoch ist aber das Risiko, falls der Turnaround misslingt.