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Hot Corner: Eine saubere Sache

Die neuesten Hygienevorschriften im öffentlichen Raum dürften Gesellschaften wie der dänischen ISS zugutekommen.

Yvonne Debrunner

Die Züge, die Schulen, die Läden, die Büros: Sie werden nun langsam wieder bevölkert. Damit das die Infektionen nicht erneut steigen lässt, sollen all diese Räumlichkeiten regelmässiger als bislang gereinigt werden. Das wird Gesellschaften wie der dänischen ISS (Nasdaq Copenhagen: ISS, Kurs: 109 dKr., Börsenwert: 19,6 Mrd. dKr. oder 2,8 Mrd. Fr.) zugutekommen, einem der weltgrössten Reinigungsunternehmen.

ISS erwirtschaftet 46% des Umsatzes mit Reinigungsdienstleistungen. Weitere 21% kommen durch Hauswarts-Services zustande. Daneben betreibt ISS Unternehmenskantinen, was 15% zum Umsatz beiträgt, übernimmt Rezep­tions- oder Callcenter-Dienstleistungen oder stellt Sicherheitspersonal.

Minus 20% im April

Kurzfristig hat Covid-19 auch ISS zugesetzt: Die 15% Umsatz, die durch den Betrieb von Kantinen zustande kommen, sind mehr oder weniger weg­gebrochen. Auch andere Arbeiten neben den eigentlichen Basisdienst­leistungen sind beeinträchtigt, wie es in einer Mitteilung von Ende März heisst. Zwischen Januar und März konnte ISS den Umsatz zwar noch leicht steigern, unter anderem dank eines starken Ja­nuars. Das zweite Quartal aber wird schwach ausfallen. Gemäss dem Anfang Mai publizierten Quartalsbericht sank der Umsatz im April um 20%.

Das Unternehmen reagierte, indem es die Kosten in den betroffenen Bereichen reduzierte, die Prognose für das Gesamtjahr strich und den Dividendenantrag für 2019 von 7.70 dKr. pro Aktie zurückzog. Das heisst allerdings nicht, dass die Aktionäre für das vergangene Geschäftsjahr definitiv auf eine Ausschüttung verzichten müssen. Darüber werde entschieden, sobald mehr Klarheit über die Auswirkungen von Covid-19 bestehe, heisst es.

Neben den durch Covid-19 verursachten Problemen hatte ISS zuletzt auch noch mit einem Angriff auf die eigene IT zu kämpfen, der aber unterdessen unter Kontrolle ist. Er wird im laufenden und im kommenden Jahr insgesamt zu Einmalkosten von umgerechnet rund 70 bis 100 Mio. Fr. führen.

Gewinner der Pandemie

Trotz der kurzfristigen Probleme: ISS dürfte letztlich zu den Gewinnern der Pandemie zählen, auch weil sie über ­genügend liquide Mittel verfügt. Zudem bemerkte sie bereits im ersten Quartal 2020 eine höhere Nachfrage nach Rei­nigungsdienstleistungen: Im Quartalsbericht von Anfang Mai ist von einer «starken Nachfrage nach Tiefenreinigung und Desinfektion» die Rede. Weiter heisst es dort, ISS spiele eine zen­trale Rolle in den Plänen Tausender Kunden rund um die Welt, die ihr Geschäft fortführen wollten.

Die Aktie hat seit dem Tiefpunkt von 70.50 dKr. am 19. März mehr als 50% ­zugelegt, notiert aber noch immer 34% unter dem Stand von Anfang Jahr. Da gibt es Luft nach oben.

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