Blogs / Momentum

Hot Corner: Eine zweite Kursexplosion

Die Aktien des US-Technologieunternehmens MKS Instruments haben sich mehr als verdoppelt. Sie sind aber immer noch deutlich günstiger als die Schweizer VAT-Titel.

Arno Schmocker

High-Tech-Boom um die Jahrhundertwende: Im ersten Jahr nach dem Gang an die Börse 1999 schnellten die Aktien von MKS (MKS 95.96 0.52%) Instruments (MKSI 112.49 -1.67%) (Nasdaq: MKSI, aktueller Kurs: 68.30 $, Börsenwert 3680 Mio. $) nach oben. Der Kurs verdreieinhalbfachte sich. Doch dann platzte diese Blase wie so viele andere. Jahrelang verschwanden die Titel in der Versenkung – bis Ende Februar 2016, als erneut eine Kursrally einsetzte. MKS hatte eine Grossübernahme angekündigt.

Das in Kalifornien ansässige Unternehmen ist ein weltweit führender Hersteller von Komponenten und Systemen für die Vakuumprozesstechnik. Berührungspunkte in einigen Segmenten hat MKS auch mit zwei kotierten Schweizer Gesellschaften, mit Inficon (IFCN 740 -0.4%) vor allem im Bereich Messgeräte und mit VAT im Bereich Vakuumventile.

Ganz anders als VAT

Besonders der Vergleich mit VAT ist interessant: Das Schweizer Unternehmen ist ein Pure Player, etwa achtmal grösser im Geschäft mit Vakuumventilen und entsprechend deutlich profitabler, während MKS breit positioniert ist. Der Anteil von Vakuumventilen am Gesamtumsatz von MKS beträgt bloss etwa 5%. Kein anderer Hersteller in der Vakuumprozesstechnik bietet ein derart umfassendes Produktspektrum.

VAT wächst rund 10% pro Jahr aus eigener Kraft. MKS hingegen ist eine Geschichte vieler Akquisitionen, seit 1986 gut zwanzig an der Zahl. In den vergangenen zehn Jahren hat die Gesellschaft einen freien Cashflow von mehr als 1 Mrd. $ erwirtschaftet. Davon wurden 40% in Zukäufe investiert. Der jüngste Deal war zugleich der mit Abstand bedeutendste: Fast 1 Mrd. $ legte MKS für die unter anderem auf Lasertechnologie spezialisierte Newport (NWX 0.37 0%) Corp. auf den Tisch. Die Übernahme entfachte die erwähnte zweite Kurshausse.

In einer neuen Dimension

Mit Newport verdoppelte MKS den Umsatz im Vergleich zu 2013 auf 1,6 Mrd. $. Die operative Marge stieg von 16 auf 22%. Für 2017 rechnet das Management mit 1,7 Mrd. $ Umsatz und 4.73 (i. V. 4.27) $ Gewinn je Aktie. Das ergibt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15. Die Analysten sind etwas vorsichtiger: Auf Basis ihrer Durchschnittsschätzung beträgt das KGV 17. Das ist nicht nur deutlich niedriger als das der VAT Group (VACN 180.4 -0.44%) (28) – die dafür in der Dividendenrendite obenauf schwingt (3,3 vs. 1%) –, es lässt auch Raum nach oben. Zusammen mit langfristig günstigen Branchentrends schafft das Kursfantasie.

Newport verhilft MKS zu einem besser balancierten Kundenportfolio. Grundlagenforschung sowie Pharma/Biotech sind bedeutender geworden. Etwa die Hälfte des Umsatzes (vorher 70%) wird jedoch immer noch mit der Halbleiterindustrie erwirtschaftet. Es gibt keinen Mikrochip in der Welt, der im Verlauf des Fertigungsprozesses nicht irgendwann mit MKS-Komponenten in Berührung kommt.