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Hot Corner: Energiechance in Down Under

Die australische Stromproduzentin Infigen setzt auf erneuerbare Energien. Und hat trotz politischem Gegenwind Erfolg.

Sylviane Chassot

Wind und Sonne –davon hätten die Australier derzeit gern etwas weniger. Die Hitze entfacht weitere verheerende Buschbrände, und der Wind trägt sie in alle Richtungen. Ein Unternehmen, das von Sonne und vor allem Wind in Australien profitiert, ist die Energieproduzentin Infigen (ASX: IFN, 654 Mio. austr. $ Börsenwert, Kurs am Dienstag: 0.69 austr. $).

Doch obwohl Strom von Windrädern und Photovoltaikanlagen Down Under inzwischen günstiger ist als von Gas- und Kohlekraftwerken, haben Erneuerbare im Land mit einer der Kohleindustrie nahestehenden Regierung einen schweren Stand. Weniger als 10% des Stroms stammten 2018 von Wind und Sonne.

Voll wettbewerbsfähig

Da die sogenannte Netzparität in Australien erreicht ist, sind Wind und Sonne inzwischen jedoch auch ohne Förderregime wettbewerbsfähig. Das machte sich Ross Rolfe, seit 2016 Chef von Infigen, zunutze. Er stellte das Geschäftsmodell vom Verkauf von Zertifikaten auf Direktvermarktung um. Seither verdient das Unternehmen nicht mehr an Zertifikaten für den ökologischen Mehrwert des Stroms, sondern direkt am Stromabsatz an Verbraucher. Rund 7% der australischen Stromproduktion aus Wind und Sonne stammten 2018 von Infigen. Das Unternehmen erzielte damit im Geschäftsjahr 2019 (per 30. Juni) einen Umsatz von 260 Mio. austr. $ (umgerechnet rund 184 Mio. Fr.).

Typisch für solche Anlagenbetreiber mit wenig Personal ist die hohe Ebitda-Marge von über 60%, wie sie in der Schweiz auch die Solarenergieproduzentin Edisun (ESUN 106 0%) aufweist. Ebenfalls typisch sind die hohen Kapitalkosten. Bei Infigen betragen die Nettoschulden das Dreifache des Ebitda, was Kapitalkosten von 40 Mio. austr. $  mit sich bringt. Bezogen auf den operativen Cashflow von 144 Mio. austr. $  scheinen die Schulden jedoch tragbar.

Trotz der Risiken gibt es Gründe zur Zuversicht. Der gegenwärtige Kurs impliziert eine Bewertung der Kraftwerke unter dem Marktpreis. Zudem verfolgt das Unternehmen eine interessante Strategie. Es produziert nicht nur den Wetterbedingungen unterworfenen, volatilen Wind- und Sonnenstrom, sondern hat mit Beteiligungen an einem Gaskraftwerk und an einer Batterie die Fähigkeit, zu jeder Tages- und Jahreszeit Strom zu liefern. Ein Qualitätssignal ist das Engagement des kanadischen Infrastrukturunternehmens Brookfield, das rund 9% an Infigen hält. Wer die Sonnenseite des australischen Wetters sucht, sollte jetzt ebenfalls einstiegen.

Buschfeuer geringes Risiko

Ob die Regierung den lauter werdenden Forderungen nach einer klimafreundlichen Energiepolitik folgen wird, ist offen. So oder so bekommt Infigen aber wegen der Preisentwicklung für fossile und erneuerbare Energien weiter Aufwind.

Ein Restrisiko sind die Buschfeuer. Laut Geschäftsbericht ist das Unternehmen gegen Betriebsunterbrechungen versichert. Beeinträchtigungen sind bislang nicht zu erkennen; die Stromabsatzzahlen vom Dezember, als die Feuer bereits wüteten, zeigten gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um 19%. Für das Gesamtjahr 2020 geht das Unternehmen von einem Plus von 17% aus.