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Hot Corner: Fintech-Gigant

Der erste Börsengang eines Unternehmens der Finanztechnologiebranche (Fintech) war zugleich einer der grössten zehn der Geschichte.

Valentin Ade

Das US-Unternehmen Lending Club (LC 35.17 +3.87%) (Nasdaq: LC, 16.06 $, Börsenwert 5,98 Mrd. $) wagte am 11. Dezember 2014 den Sprung aufs Parkett und sammelte 1,4 Mrd. $ ein. Der  Ausgabepreis von 15 $ wurde durch den Erstkurs von 24.75 bei weitem übertroffen. Zum Ende des ersten Handelstages hatten die Titel der Crowdfunding-Plattform 56% zugelegt.

Eine Erfolgsstory mit Ansage: Gründer und CEO Renaud Laplanche gehörte mit Lending Club im Jahr 2006 zu den Pionieren im Geschäft mit Online-Krediten von Privat zu Privat (P2P). Ein Vorbild für viele folgende Plattformen, wie man ein klassisches Geschäft der Banken auch ganz ohne Bank betreiben kann.

Für Kreditnehmer besteht der Vorteil, dass sie sich unkompliziert auch Kleinstbeträge leihen können, für die Geldgeber bieten sich gerade angesichts des heutigen Niedrigzinsumfelds höhere Renditen und eine Möglichkeit der Risikostreuung durch Aufteilung des Kapitals auf eine Vielzahl von Schuldnern.

Ende 2014 hielt an der Börse dann aber erst einmal Ernüchterung Einzug. Zwar verdoppelte sich der Umsatz im Schlussquartal auf 68 Mio. $, doch gab es auch einen überraschenden Verlust von 9 Mio. $. Investoren und Anleger der ersten Stunde realisierten Gewinne, die Aktie tauchte unter die 20-$-Marke und steht heute knapp über 16 $. Der Jahresabschluss und vor allem das erste Quartal 2015 zeigten dann aber wieder die operative Stärke der grössten P2P-Kreditplattform der Welt. Bei einem Quartalsumsatz von 81 Mio. $ machte Lending Club einen Vorsteuergewinn von 10,6 Mio. 1,6 Mrd. $ flossen über die Plattform, ein Plus von 107%.

Und das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht, denn Lending Club vermittelt momentan gerade einmal 0,2% der ausstehenden US-Konsumkredite – ein gigantisches Wachstumspotenzial. Analysten erwarten bis 2018 eine Umsatzsteigerung auf 1,2 Mrd. $ (2014: 213 Mio. $). Momentan ist das Unternehmen angesichts hohen Börsenwerts und relativ niedrigen Gewinns aber noch sehr hoch bewertet. Ein Einstieg würde sich also höchstens in dosiertem Umfang lohnen. Doch sollte Lending Club ihr Potenzial ausschöpfen, würden die Titel definitiv wieder an Fahrt aufnehmen.

Das meint auch Michael Bornhäusser, Mitinhaber der Privatbank Sallfort. Bornhäusser leitet bei dem Basler Institut das Private-Equity-Geschäft. Die Sallfort-Aktionäre waren schon rund zwei Jahre vor dem Börsengang der Plattform als Wagniskapitalgeber bei Lending Club eingestiegen. Ihr Investment hat sich seitdem verfünffacht. «Wir haben keinen Druck auszusteigen», sagt Bornhäusser, «weil das Unternehmen sich nachhaltig entwickelt.»