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Hot Corner: Gegen das Böse im Internet

Cyber-Risiken nehmen weltweit rasant zu. Das spielt den Herstellern von Internetsicherheits-Software in die Hände. Einer könnte besonders profitieren.

Pascal Meisser

In neuen und entsprechend stark wachsenden Branchen geht es für die Unternehmen in erster Linie darum, sich möglichst schnell einen grossen Marktanteil zu sichern. Erst, wenn man sich ein genügend umfangreiches Stück vom Kuchen abgeschnitten hat, rücken andere wichtige Kennzahlen wie Gewinn und Marge in den Fokus des Managements.

Einer dieser Sektoren mit Goldgräbercharakter ist derzeit Cyber Security – oder zu Deutsch: Internetsicherheit. Bösartige Angriffe aus dem Internet steigen seit Jahren kontinuierlich an, und damit auch die dabei angerichteten Schäden. Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht in Sicht. So rechnet das Marktanalyseunternehmen Juniper Research damit, dass sich die bei den Angriffen anfallenden Kosten für die Wirtschaft bis 2019 auf 2,1 Billionen Dollar vervierfachen. Solche Prognosen kurbeln das Geschäft von Gesellschaften an, die wirksame Schutzsoftware herstellen.

Zu den längerfristigen Gewinnern dieser Branche könnten die Aktien von Proofpoint (Nasdaq: PFPT; Kurs: 63.63 $) gehören. Mit einer Börsenkapitalisierung von 2,5 Mrd. $ gehört das Unternehmen noch nicht zur obersten Liga der Cybersecurity-Welt. Andere Player wie Palo Alto Networks (PANW 524.55 -0.61%), Symantec (NLOK 24.21 +0.71%) oder Checkpoint weisen einen bis zu sechsmal höheren Marktwert auf.

Gewinnzone in Griffweite

Analysten gehen jedoch davon aus, dass Proofpoint diesen Rückstand in wenigen Jahren wettmachen wird. In drei Jahren soll sich der Umsatz von 195 Mio. $ auf 525 Mio. $ fast verdreifachen. Für das Jahr 2017 erwarten Experten erstmals das Überschreiten der Gewinnschwelle. Derzeit schreibt Proofpoint noch tiefrote Zahlen. Im Geschäftsjahr 2014 beliefen sich die Verluste auf 51 Mio. $, für das laufende Jahr wird noch ein Minus von 11 Mio. $ erwartet.

Proofpoint wurde erst in der Zeit der Post-Dotcomblase im Jahr 2002 im Silicon Valley gegründet; mit dem Börsengang liess sich das Unternehmen Zeit. Er erfolgte im April 2012. Seither ist Proofpoint für die Anleger eine veritable Kursrakete. Seit dem Initial Public Offering (IPO) hat sich der Wert der Aktien von mehr als vervierfacht. Und ein Ende dieser Kursrally ist für den Moment noch nicht absehbar.

Denn das Geschäftsmodell des Unternehmens ist vielversprechend. Es fusst auf einer cloudbasierten Software, die hauptsächlich Mails und Social-Media-Nachrichten auf Schadprogramme, sogenannte Malware, untersucht und gegebenenfalls schützt.

Erst vor einem Monat zündete das Unternehmen die nächste Stufe mit einem Abwehrprogramm für mobile Geräte. Es soll Smartphones und Tablets vor bösartigen Applikationen schützen, bevor sensible Daten auf den entsprechenden Geräten angegriffen werden.

Nervenstärke gefragt

Über neunzig Prozent der Analysten, die den Titel abdecken, sind positiv gestimmt. Das kann auch ein Alarmzeichen sein, ist es aber in diesem Fall nicht. Denn seit dem Börsengang herrscht bei den Experten grosser Optimismus in Bezug auf Proofpoint, mit durchaus positivem Effekt auf die Kursentwicklung.

Für den Titel spricht, dass die Mehrheit der Aktien von grossen Vermögensverwaltern gehalten wird. So gehören die Fondsanbieter T Rowe Price, Vanguard und Blackrock zu den grössten Aktionären. Daraus entstehen zwei Vorteile für Privatanleger: Erstens gibt es Sicherheit, dass auch Profis engagiert sind, zweitens dürften jene Bereitschaft zeigen, bei Kurskorrekturen zuzukaufen.

Dies zeigte sich gerade jüngst, als die Notierungen von Proofpoint im Sog des Gesamtmarkts zwischen Juli und Ende August 20% korrigierten. Seither streben die Kurse wieder den einstigen Höchstständen zu. Diese Bewegungen zeigen aber auch, dass Proofpoint nur für nervenstarke Anleger zu empfehlen ist.