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Hot Corner: Wenn die Aktionäre aufatmen dürfen

Die Aktien des Schuhherstelles Geox, einst hoch hinauf geflogen, dann tief gefallen, haben ein beachtliches Aufholpotenzial.

Andreas Kälin

Es ist eine klassische Turnaroundstory. Nachdem die Aktien des Schuhherstellers  Geox (Börsenkapitalisierung von 990 Mio. €) im Oktober 2007 mit 16.50 € ihr Höchst erreicht hatten, verloren sie bis Mitte 2012 über 90% ihres Werts. Seither zeigt der Trend, obwohl nicht so steil, wieder aufwärts. Die Frage, die sich auch die Analysten von Kepler Cheuvreux stellen,  lautet heute, was «die neue Geox» für ein Potenzial besitzt.

Der Niedergang hatte auch mit der wirtschaftlichen Krise in Europa zu tun, mit der hohen Arbeitslosigkeit und dem darniederliegenden Konsumentenvertrauen speziell in Italien, wo Geox ein Drittel des Umsatzes macht. Von 2007 bis 2013 sank die operative Marge auf Stufe Ebitda von über 26 auf noch 3,3%. Im selben Zeitraum verwandelte sich der Gewinn von 123 Mio. € in einen Verlust von 29,7 Mio. €. Hinter solch einem Absturz müssen auch Führungsfehler stecken.

Ein wichtiger Schritt – der für das Gelingen eines Turnarounds in den meisten Fällen unumgänglich ist – war daher die Erneuerung des Managements, die Geox von 2012 bis 2013 vollzog. Giorgio Presca stieg dabei vom Marketing- und Produktentwicklungschef zum CEO auf.

Natürlich hat der Niedergang auch die Frage aufgeworfen, ob die Schuhe von Geox halt doch nur eine Modeerscheinung gewesen sind. Seinerzeit hatte Mario Moretti Polegato dem Schweissfuss den Kampf angesagt, indem er Löcher in Sohlen bohrte, wodurch die Füsse  in den Schuhen atmen können. Im Jahr 1995 gründete er mit dieser Idee sein eigenes Schuhunternehmen.  Wie Kepler Cheuvreux nun festhält, besitzt Geox immer noch einen «überraschend» hohen Markenwert.  Umfragen zufolge sei die Marke die Nummer eins in Italien, auf Rang vier in Spanien, fünf in Frankreich sowie sieben in Deutschland. Mit der Kollektion 2014 hat das Unternehmen auch sein Sortiment stark vereinfacht.

Geox stellte auch einen Mittelfristplan auf. Er sieht, verglichen mit 2013, eine Umsatzsteigerung um über 9% p. a. auf rund 985 Mio. € im Jahr 2016 vor. Dannzumal soll die Ebitda-Marge sich auf 11% verbessert haben. Sind diese Projektionen realistisch? Als das mit Geox am besten vergleichbare Unternehmen gilt oft Ecco.

Dieser familiengeführte dänische Schuhanbieter erzielte zuletzt eine Ebitda-Marge von fast 19%. Solch ein Wert liegt für Geox wegen der Divergenzen in den Geschäftsmodellen – die Italiener haben etwa die Produktion anders als Ecco vollständig ausgelagert – nicht mehr drin, argumentiert Kepler Cheuvreux. Mittelfristig sei aber eine Marge von 12 bis gar 14% machbar, in diesem Jahr dürfte Geox sie auf gegen 8% erhöhen.

Da ist also noch ein grösseres Aufholpotenzial vorhanden – das gilt auch für den Aktienkurs.