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Hot Corner: Geradliniger Schnellschutz

Der britische Versicherer Direct Line verspricht Versicherungsschutz ohne fette Gebühren, ohne Formulare – aber dafür schnell und simpel.

Thomas Hengartner

Schneller Versicherungsschutz über das Telefon oder Internet: ohne Makler, ohne fette Gebühren, ohne Formulare – aber dafür schnell, simpel und mit menschlichem Touch. So lautet das Kundenversprechen des britischen Versicherers Direct Line (London Stock Exchange: DLG, Kurs 308,3 Pence, Börsenwert 4,2 Mrd. £). Seit dem Start 1985 mit 63 Mitarbeitenden ist der auffallend geradlinige Versicherer auf 10 000 Beschäftigte gewachsen.

Wie persönlich sich die Direct-Line-Mitarbeiter um die Kundschaft kümmern, wird den Briten mit witzigen und deshalb kultig gewordenen Fernseh-Werbespots näher gebracht.

Auffallen mit kultigen Spots

In den Filmszenen regelt ein schneidig auftretender, makellos gekleideter Butler alles Nötige: Abschleppdienst und Taxi für den liegen gebliebenen Autofahrer, Klempner und Aufräumequipe für im Wasserschaden stehende Hausbewohner sowie Hilfestellungen aller Art für die Start-up-Unternehmerin, die an den Banalitäten einer Firmengründung zu scheitern droht.

An die Börse kam Direct Line 2009, als die Royal Bank of Scotland ihre damalige Tochtergesellschaft dem Publikum öffnete und sich später ganz zurückzog. Die Bank wurde zu diesem Schritt gezwungen, weil sie in der Finanzmarktkrise mit staatlichen Geldern vor dem Konkurs gerettet werden musste. Gemessen an der Zahl von Standardpolicen ist Direct Line in Grossbritannien der Branchenleader für Auto- und Gebäudeversicherungen. Auch bei Kontrakten für KMU ist das Unternehmen auf einem vorderen Platz.

Hochprozentig rentabel

Mit Eigenmitteln von 2,4 Mrd. £ erfüllt der Versicherer die Solvenzkapitalvorgabe in 1,7-fachem Umfang. Aus dem Betriebsgewinn des ersten Semesters von 238 Mio. £ lässt sich eine operative Rendite des Eigenkapitals von 21% errechnen. Das ist gemessen am Wert anderer Branchenunternehmen wie auch im Vergleich zur eigenen Zielvorgabe von 15,5% ein vorteilhaftes Resultat.

Die Aktien haben dieses Jahr heftiger als der Vergleichsindex korrigiert. Der Geschäftsausbau über Partnervertriebe droht die Marge zu schmälern. Hinzu kommen Befürchtungen, der Brexit werde die Konjunktur auf der Insel und den Konsum der Bevölkerung bremsen.

Direct Line notieren zum Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 unter dem Marktschnitt. Die Finanzanalysten kommen überwiegend zu einem günstigen Urteil. Zwölf der zwanzig von der Nachrichtenagentur Bloomberg gesammelten Aktienempfehlungen lauten auf Kaufen; acht raten zu einem Halten der Titel.

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