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Hot Corner: Gesund und bekömmlich

Das in Sydney ansässige Unternehmen Freedom Foods gehört im Heimmarkt zu den Wegbereitern.

Frank Heiniger

2003 erreichte die Beziehung zwischen den USA und Frankreich einen neuen Tiefpunkt. Dass die Franzosen eine militärische Intervention im Irak ablehnten, sorgte bei vielen Amerikanern für Unmut – und trieb gar wunderliche Blüten. Drei vom US-Abgeordnetenhaus geführte Cafeterias benannten aus Protest  «French Fries» in «Freedom Fries» um, ein Beispiel, dem landesweit zahlreiche Restaurants folgen sollten.

Mit solchen politischen Euphemismen hat Freedom Foods (ASX: FNP, 5.15 austr. $, umgerechnet rund 0,9 Mrd. Fr. Börsenwert) nichts zu tun. Das «Freedom» im Namen leitet sich von «Free» ab. Denn das australische Unternehmen verkauft hauptsächlich Lebensmittel, die ohne schädliche oder potenziell unbekömmliche Inhaltsstoffe auskommen. Zum Angebot gehören neben normalen Milcherzeugnissen auch diverse gluten- und laktosefreie Produkte, etwa in Form von Frühstückszerealien, Snacks oder Ergänzungsmitteln.

Expansion in China

Das in Sydney ansässige Unternehmen gehört im Heimmarkt zu den Wegbereitern. Bereits in den Neunzigerjahren fokussierte Freedom Foods auf pflanzenbasierte Milchersatzprodukte aus Soja oder Reis. Dank starken Wachstumsraten und Vertriebsverträgen mit grossen Detailhändlern wie Coles, Aldi, Woolworths und Costco sind die Produkte inzwischen in allen wichtigen Absatzkanälen vertreten. Zudem expandiert das Unternehmen erfolgreich in China sowie im südostasiatischen Raum.

Rund 40% des Umsatzes erwirtschaftet Freedom Foods aktuell in der Auftragsfertigung, doch wird der Anteil in den kommenden Jahren stetig zurückgefahren. Dieser strategische Entscheid dürfte auf kurze Sicht zwar das Umsatzwachstum bremsen. Doch wird damit Fertigungskapazität für profitablere Eigenprodukte freigemacht, was die Margenentwicklung begünstigt.

Bestens positioniert

Freedom Foods hat grosse Summen ins eigene Geschäft investiert. Rund 400 Mio. $ sind über die vergangenen drei Jahre in die Erweiterung der Fertigungskapazität geflossen. Laut Konzernführung hat das Unternehmen damit allerdings die Capex-Spitze durchschritten und dürfte nun bald die Früchte der Expansion ernten.

Praktisch für alle Marktsegmente, in denen das Unternehmen präsent ist, werden hohe Wachstumsraten prognostiziert. Die Analysten der Deutschen Bank gehen denn auch davon aus, dass Freedom Foods über die nächsten drei Jahre den Umsatz um mehr als 30% per annum ausweiten kann. Dank steigender Margen dürfte der Gewinn auf Stufe Ebitda gar um über 40% pro Jahr expandieren. Zwar wird das Unternehmen für 2020 mit einem stattlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 33 bewertet. Angesichts der guten Positionierung und dem starken Wachstum lässt dies aber dennoch Raum für Avancen.