Blogs / Momentum

Hot Corner: Gute Aussichten für Discount-Hausverkäufer

Der US-Immobilienmakler Redfin befindet sich inmitten einer starken Wachstumsphase. Das weckt Fantasien auf baldige Kursgewinne.

Stefan Krähenbühl

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Mitte September an der Zinsschraube gedreht und die Zinsspanne gesenkt. Aktuell liegt sie bei 1,75 bis 2%. Weitere Senkungen sind nicht ausgeschlossen. Im parallelen Sinkflug befinden sich die Hypothekarzinsen. Der durchschnittliche Satz für 15-jährige US-Festhypotheken liegt bei 3,4%, Anfang Jahr lag der Wert noch bei 4,2%. In einem Umfeld steigender Häuserpreise wächst der Einfluss von guten Zinskonditionen auf das Sentiment potenzieller Immobilienkäufer.

Für Redfin (NASDAQ: RDFN, Kurs: 15.59 $, Börsenwert: 1,4 Mrd. $) sind das gute Nachrichten: Der Immobilienmakler betreibt in den USA eine der populärsten Real-Estate-Plattformen. Knapp unter 1% der US-Immobilien werden über Redfin verkauft. In einem extrem fragmentierten Markt gehört das Unternehmen damit zu den grösseren Playern. Das Geschäftsmodell: Redfin verlangt von Verkäufern 1 bis 1,5% sogenannte «Listing Fee» und liegt damit deutlich unter den branchenüblichen 2,5 bis 3%. Bei einem von Redfin-Konkurrent Zillow berechneten Median-Verkaufspreis von 236 100 $ sparen Hausverkäufer so im Schnitt bis zu 7200 $ an Gebühren.

Das Modell verfängt, Redfin wächst rasant. Im ersten Halbjahr lagen die Erträge 38% höher als im Vorjahreszeitraum. Analysten schätzen für 2019 im Schnitt einen Umsatz von 620 Mio. $, was einem Plus von 27% entsprechen würde. Als Treiber wirken neue Geschäftsmodelle wie der Concierge-Listing-Service, bei dem Verkäufern gegen eine zusätzliche Provision der Prozess der Renovierung, Reinigung und Inszenierung abgenommen wird. Auch tritt Redfin vermehrt als Käuferin von Immobilien auf, deren Eigentümer rasch Geld benötigen. Seit 2014 hat sich ihr Marktanteil verdreifacht.

Allerdings hat das Wachstum seinen Preis. In den letzten fünf Jahren hat Redfin zum Jahresende stets operative Verluste geschrieben. Für das dritte Quartal erwarten Analysten zwar eine schwarze Null. Bis das Unternehmen langfristig profitabel wirtschaftet, dürfte es aber noch dauern. Sofern die Übung überhaupt gelingt. Den Beweis, dass Online-Immobilienhandel profitabel skalierbar ist, sind die Händler bislang schuldig geblieben. Geht das Geschäftsmodell auf, profitiert Redfin von ihrer hohen Bekanntheit. Rund 36 Mio. Personen nutzen Redfin.com monatlich.

Die nächsten Quartale werden zeigen, ob Redfin am «Wendepunkt» angekommen ist, als den CEO Glenn Kelman das zweite Quartal bezeichnet hatte und ab dem er sich schneller wachsende Volumen erhofft. Der Markt scheint optimistisch: Die Aktie wird aktuell mit 10 Kaufempfehlungen und 6 Halten gegenüber 2 Verkaufsempfehlungen positiv gewertet. Der 12-Monats-Zielkurs liegt mit 22.87 $ knapp 47% über dem aktuellen Kurs. Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 4,5 sind die Titel gemessen an der eigenen Historie (Durchschnitt seit Börsengang 2017: 6,1) nicht teuer. Damit sind die Aktien eine gewagte, aber heisse Wette darauf, dass es Redfin gelingt, den US-Immobilienmarkt zu verändern – und dabei endlich Profite zu schreiben.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.