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Hot Corner: Günstigkleider im Aufwind

Boohoo, ein britischer Online-Modehändler mit Fokus auf günstige Mode, profitiert von der wirtschaftlichen Unsicherheit rund um die Brexit-Phase.

Pascal Meisser

Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten, in welchen sich Grossbritannien rund um die Brexit-Phase befindet, ist es für Anleger kein einfaches Unterfangen, aussichtsreiche Investments auf der Insel zu finden. Zu den Ausnahmen gehört Boohoo (Boohoo 59 -3.47%) (London AIM: BOO; Kurs 285 GBp; Marktkapitalisierung 3,3 Mrd. £), ein britischer Online-Modehändler, der ausschliesslich Kleidungsstücke unter dem eigenen Brand verkauft.

Mit ihrem Fokus auf günstige Mode ist Boohoo einer der Profiteure der Krise, die in Grossbritannien den stationären Handel erfasst hat. Klassische Ketten wie Marks & Spencer haben zuletzt Einbussen beim Umsatz erlitten und mussten zahlreiche Filialen schliessen. Boohoo hingegen überraschte diese Woche mit einem nicht geplanten Trading-Update die Anleger. Dabei wurden die Prognosen für das Umsatzwachstum im Gesamtjahr von 25 bis 30% auf 33 bis 38% angehoben. Für ein Management, das üblicherweise ziemlich konservative Prognosen trifft, sei diese Anhebung ein starkes Zeichen, bemerkten Analysten von Numis Securities. Die Aktien sprangen am Freitag auf ein Allzeithoch.

Hinter Zalando zurück

Die Stärke von Boohoo liegt in kurzen Lieferketten. Modekollektionen können schnell in den Markt eingeführt und auch wieder herausgenommen werden. Boohoo nennt dieses Verfahren «test and repeat». Kleidungsstücke, die sich als Verkaufsrenner entpuppen, werden länger im Sortiment behalten als Ladenhüter. Gleichzeitig kann Boohoo sich so auch an die sich immer schneller ändernden Konsumentenwünsche anpassen.

Derzeit verfügt Boohoo über eine Kundenbasis von 7 Mio., die im Durchschnitt zwei Mal pro Jahr eine Bestellung aufgeben. Mit beiden Kennzahlen liegt Boohoo hinter dem europäischen Riesen Zalando (ZAL 39.6 -0.38%) zurück. Diese zählen rund 28 Mio. Kunden, die jährlich rund viermal eine Bestellung aufgeben.

Hohes Wachstum

Für Boohoo muss es mittelfristig darum gehen, die Zahl der Bestellungen je Kunde mindestens zu verdoppeln. Dabei spielt dem Unternehmen der Trend zu Online-Bestellungen, der gerade in Grossbritannien deutlich am Wachsen ist, in die Hände. Analysten der Grossbank HSBC (HSBA 613.9 0.2%) gehen davon aus, dass Boohoo in den kommenden drei Jahren den Gewinn je Aktie von 4,15 £ verdoppeln wird. Ein solcher Gewinnsprung würde dann auch die derzeit hohe Bewertung der Aktien Boohoo relativieren, die derzeit beim 50-Fachen des Gewinns liegt.

Solange das 2006 in Manchester gegründete Unternehmen das hohe Wachstum halten oder gar noch steigern kann, kann der gute Lauf der Titel der vergangenen Monate durchaus noch eine Weile weitergehen. Allerdings müssen sich Anleger gewahr sein, dass bei solchen auf Wachstum ausgerichteten Unternehmen ein Verfehlen der Prognosen von der Börse meist mit deutlichen Kurseinbrüchen bestraft wird.

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