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Hot Corner: Gute Bakterien

Um die unbeliebten E-Nummer-Zusätze zu vermeiden, müssen Nahrungsmittelhersteller bei Chr. Hansen anklopfen.

Andreas Meier

Wer den stabilen Nahrungsmittelmarkt mit wichtigen Zusatzstoffen beliefern kann, wie das etwa Givaudan (GIVN 3782 -0.26%) mit Aromen macht, findet an der Börse viel ­Beachtung. Die Givaudan-Aktien zählen dieses  Jahr zu den Spitzenreitern unter den Schweizer Blue Chips.

Ein Unternehmen, das ähnliche Produkte anbietet, aber noch stärker spezialisiert ist, ist die dänische Chr. Hansen (OMX Copenhagen: CHR, Kurs: 655 dKr., Börsenwert: 85 Mrd. dKr. resp. 12,4 Mrd. Fr.). Hansen stellt Bakterienkulturen, Probiotika und Enzyme für die Lebensmittelindustrie her, ferner werden bio­logische Zusatzstoffe für Nahrungsergänzungsmittel, Arzneien und spezielle Babynahrung angeboten.

Fokus wird immer enger

Bis vor kurzem gehörten auch natürliche Farbstoffe zum Sortiment. Der Bereich, der 19% des Umsatzes ausmachte, wurde kürzlich für 800 Mio. € verkauft, weil Chr. Hansen sich noch stärker auf mikrobielle und fermentielle Prozesse fokussieren will. Entsprechend wurden dieses Jahr auch gleich drei Akquisitionen durchgeführt, unter anderem ist die deutsche Jennewein Biotechnologie übernommen worden, ein Hersteller seltener funktioneller Zuckerarten, die in der Ernährung aber auch in der Pharmaindustrie Verwendung finden.

Mit Bakterienkulturen von Chr. Hansen können etwa Rohfleischwürste schneller gereift werden, Räucherlachs vor Listerienbefall oder abgepackter, verzehrfertiger Salat vor der Vermehrung schädlicher Keime geschützt werden. Damit lässt sich die Haltbarkeit entscheidend verlängern. Alle Produkte sind natürlichen Ursprungs, sie be­nötigen auf der Verpackung keine Deklaration. Weil viele Nahrungsmittel­hersteller sogenannte E-Nummer-Zusätze vermehrt zu vermeiden versuchen, da diese bei den Konsumenten unbeliebt sind, kommen Hansens Produkte umso mehr zum Zug.

Mit Hansen-Produkten lässt sich etwa ein Drittel aller Lebensmittel schützen: alle fermentierten Produkte, gewisse Fleischwaren und unterschiedlichste Milchprodukte.  

Voll im Konsumtrend

Das organische Wachstum des Unternehmens pendelte in den letzten fünf Jahren zwischen 6 und 10%, die Ebit-Marge beträgt um 30%, für das Geschäftsjahr 2019/20 (Ende August) wird ein Umsatz von 970 Mio. € ausgewiesen. Auf eine reguläre Dividende wird für 2019/20 verzichtet, doch soll bei Zahlung der 800 Mio. € aus dem Verkauf des Farbengeschäfts eine Sonderdividende ausgeschüttet werden.

Für das laufende Jahr prognostiziert  Chr. Hansen ein organisches Wachstum von 5 bis 8%, die Ebit-Marge soll auf 27 bis 28% zu stehen kommen – wegen der  Akquisitionen etwas niedriger als im Vorjahr. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021 um 45 sind die Titel hoch bewertet. Doch das absehbar hohe und stetige Wachstum und das teils einzigartige Produktangebot, das den Konsumtrends entgegenkommt, rechtfertigen den Preis.

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