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Hot Corner: Heisse Sohlen

Arezzo feiert im brasilianischen Schuhmarkt grosse Erfolge. Doch auch in den USA werden die Produkte «Made in Brasil» immer beliebter.

Frank Heiniger

Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro kann die hohen Erwartungen, die er selbst geweckt hat, bislang nicht erfüllen. Die grösste Volkswirtschaft Südamerikas ist im zweiten Quartal nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt. Und angesichts der hohen Arbeitslosigkeit bleibt – trotz Lichtblicken wie der sinkenden Inflation – die Konsumfreude getrübt.

Das schlägt sich in Branchen wie dem Schuhmarkt nieder: Zwar liegt Brasilien mit einem jährlichen Absatz von vier Paar pro Einwohner klar über dem globalen Durchschnitt von 2,6. Während der letzten fünf Jahre tendierte das Volumen aber mehr oder weniger seitwärts.

Von günstig bis teuer

Trotz des schwierigen Umfelds hat sich der brasilianische Schuhkonzern Arezzo (São Paulo: ARZZ3, umgerechnet 1,1 Mrd. Fr. Marktkapitalisierung) vergleichsweise gut geschlagen. Im stark fragmentierten Binnenmarkt zählt er mit einem Anteil von 3% zu den führenden Branchenvertretern.

Das 1972 in Belo Horizonte gegründete Unternehmen konzentrierte sich zu Beginn auf Herrenschuhe, richtete seinen Fokus aber bald auf die weibliche Kundschaft aus. Unter dem Konzerndach vereinigt Arezzo inzwischen sechs Marken – Arezzo, Schutz, Anacapri, Alexandre Birman, Fiever und Alme –, die von günstigen bis hochpreisigen Modellen alle wichtigen Preissegmente abdecken. Verkauft werden die Schuhe über rund 700 Filialen, die selbst oder von Franchisenehmern geführt werden, sowie den immer beliebteren Onlinekanal.

Kurze Reaktionszeit

Erfolg feiert Arezzo vor allem wegen des agilen Geschäftsmodells. Zwar finden der Entwurf und die Entwicklung der Schuhe intern statt. Für die Produktion greift Arezzo jedoch grösstenteils auf externe Fertiger zurück. Die effiziente Organisation erlaubt es dem Unternehmen, neue Kreationen innerhalb von vier bis acht Wochen auf den Markt zu bringen – deutlich schneller als die Konkurrenz, die dafür meist drei bis sechs Monate benötigt. Nicht nur kann Arezzo damit rascher auf Modetrends reagieren, sondern auch den Lagerbestand niedrig halten.

Zusätzliches Wachstum verspricht die internationale Expansion. 2012 drang Arezzo in den amerikanischen Markt vor, wo die Edelmarke Schutz mit der Schauspielerin Jennifer Lawrence oder dem Reality-TV-Star Kylie Jenner bereits werbeträchtige Fans gewonnen hat.

Für das Geschäftsjahr 2020 werden die Aktien zurzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bewertet. Das ist nicht teuer – gerade auch, wenn man die prognostizierte Gewinnwachstumsrate von 25% p. a. über die kommenden fünf Jahre in die Rechnung einbezieht.

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