Blogs / Momentum

Hot Corner: Hoch hinaus

Aroundtown ist rasant gewachsen und verfügt über das grösste Gewerbeimmobilienportfolio Deutschlands. Dennoch ist der Immobilienkonzern der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt.

Wolfgang Gamma

Der Unternehmensname klingt ein wenig nach Kleinstadt, doch in diesem Fall ist der Name nicht Programm. Der deutsche Immobilienkonzern Aroundtown (AT1 7.17 0.7%) (Frankfurt, AT1, 6.98 € am Freitag, Börsenwert 7,4 Mrd. €) geht und will hoch hinaus. Dies mit Büro- und Hotelgebäuden in grossen Städten wie Frankfurt oder Berlin und über zahlreiche Akquisitionen. Diese liessen das Portefeuille im ersten Quartal bis Ende März 11% auf 10,9 Mrd. € wachsen. Nahezu unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit kam so das grösste Gewerbeimmobilienportfolio Deutschlands zusammen.

Die rasante Entwicklung führte die Aktien im März in den MDax, den Index der wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften hinter dem Blue-Chip-Barometer Dax (DAX 12558.31 0.14%). Erst im September 2017 waren Aroundtown in den SDax aufgenommen worden, weniger als zwei Jahre nach dem Börsengang.

Büros und Hotels

Der Immobilienaufsteiger wurde 2004 vom israelischen Investmentbanker Yakir Gabay gegründet, der über die Beteiligungsgesellschaft Avisco weiterhin gut 35% hält. Das Unternehmen investiert vorwiegend in Büros und Hotels in grossen Städten Deutschlands sowie in Logistikbauten. 80% des Portfolios machen kommerzielle Liegenschaften aus. 10% der bewirtschafteten Flächen liegen in den Niederlanden, einzelne Bauten in Brüssel und Wien. Ein Coup gelang Aroundtown, als sie das Bürohochhaus FBC in Frankfurt für mindestens sieben Jahre an die Deutsche Bundesbank vermieten konnte. Die Gruppe hält weiter 38% an der auf Wohnimmobilien spezialisierten und ebenfalls kotierten Grand City Properties.

Im Geschäftsjahr 2017 erarbeitete Aroundtown einen betrieblichen Gewinn (Funds from Operations) von 293 Mio. € (+77%). Die Mieteinnahmen nahmen fast zwei Drittel auf 449 Mio. € zu. Der innere Wert der Aktien (gemäss EPRA) erreichte 6.50 €. Dieser Wert stieg bis Ende März auf 6.90 €.

Solide Finanzierung

Auf der Finanzierungsseite hat das Unternehmen keine Probleme. Eine Kapitalerhöhung um gut 600 Mio. € ging im Frühjahr glatt über die Bühne. Zudem wurden Anleihen über 1,1 Mrd. € platziert, darunter eine Frankenobligation über 250 Mio. Fr. Der Verkauf von Liegenschaften brachte weitere 165 Mio. € in die Kasse. Die Eigenkapitalquote erreichte Ende März 53% der Bilanzsumme. Die Fremdmittel müssen zu 1,6% verzinst werden. Die Laufzeit beträgt im Schnitt 7,5 Jahre und es stehen keine grösseren Refinanzierungen an.

Seit den Ende Mai publizierten Erstquartalszahlen gaben Aroundtown 5% nach. Befürchtungen über einen überhitzten Immobilienmarkt kamen auf. Eine Pause steht den 3,3% rentierenden Titeln aber gut an. Das aktuelle Kursniveau kann zum Einstieg genutzt werden. Fünfzehn von siebzehn Analysten führen sie auf ihren Empfehlungslisten. Ihre Kursziele variieren zwischen 7 und 9 € bzw. legen ein Potenzial von bis 28% in den nächsten zwölf Monaten offen.

Leser-Kommentare