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Hot Corner: Ein Hauch von Dyson

Bekannt geworden ist Rotork dank Sir James Dymon. Nun bietet das britische Industrieunternehmen interessante Einstiegschancen.

Pascal Meisser, London

Es ist schon eine Weile her, dass Rotork (London: 319.20 p, Ticker: ROR, Börsenkapitalisierung 2,8 Mrd. £) die Anleger erfreut hat. Derzeit notieren die Titel des britischen Industriebetriebs auf dem Niveau von 2014, auch wenn sich die Kurse zwischenzeitlich mal beinahe verdoppelt haben.

Dies wiederum ist ein schwacher Trost für die Investoren, die mit einem schlecht gewählten Timing eingestiegen sind. Allerdings waren die Probleme, die Rotork zuletzt belasteten, zu einem grossen Teil nicht selbst verschuldet. Das Unternehmen aus der westenglischen Stadt Bath, das hauptsächlich Kontrollsysteme und Ventilantriebe für die Öl- und Gas-, die Wasser- und die Chemieindustrie herstellt, litt unter dem anspruchsvolleren gesamtwirtschaftlichen Umfeld. Das drückte zunehmend auf die Wachstumsraten und die Gewinnmargen, die sich immer mehr von früheren Niveaus entfernten. Entsprechend gab auch der Aktienkurs nach.

Mentor von James Dyson

Das konnte nicht im Sinne von Unternehmensgründer Jeremy Fry sein. Der umtriebige Entrepreneur, der vor vierzehn Jahren verstarb, war in der britischen Industrie eine illustre Person. Bekannt wurde er vor allem als Entdecker von Sir James Dyson. Der Vater der bekannten Dyson-Staubsauger verbrachte ein paar Jahre bei Rotork, wobei Fry zu seinem Mentor wurde.

Noch heute wird daran erinnert, dass Sir James damals den Sea Truck – ein Hochgeschwindigkeits-Landungsboot – mitentwickelte. Noch heute steht ein solcher Sea Truck auf dem Campus von Dyson, auf dem Sir James seine grössten technologischen Errungenschaften zusammengetragen hatte.

Von solchen erfolgreichen Zeiten hatte sich Rotork zuletzt entfernt, bis sich letztes Jahr der Verwaltungsrat dazu durchringen konnte, den langjährigen CEO Peter France abzusetzen. 28 Jahre hatte seine Regentschaft gedauert, nun war die Zeit reif für eine neue Ära.

Wende ist geglückt

Mit dem Amerikaner Kevin Hostetler hat ein frischer Wind Einzug gehalten. Er ist ein erfahrener Turnaround-Manager, der diese Fähigkeiten zuvor bereits bei anderen Unternehmen unter Beweis gestellt hatte. Auch wenn der Geschäftsverlauf von Rotork stark mit dem Ölpreis korreliert, ist Hostetler überzeugt, dass der Weg zurück zu früheren Margen-Levels zu grossen Teilen vom Management beeinflusst werden kann.

Das zeigte sich etwa bei den Halbjahreszahlen im August, als trotz rückläufigem Umsatz die Marge um 1,3 Prozentpunkte erhöht werden konnte. Mit 21,1% liegt sie noch deutlich unter den Höchstwerten von 26%. Aber die Entwicklung zeigt in die richtige Richtung – was von den Finanzmärkten noch kaum vorweggenommen wird. Kann Hostetler die Performance nachhaltig verbessern, ist es eine Frage der Zeit, bis die Aktien nachziehen.