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Hot Corner: Hygienische Rendite

Der britische Hersteller von Reinigungsmitteln McBride ist bestens positioniert. Der Aktienkurs hat Luft nach oben.

Pascal Meisser, London

Es gibt wenige kotierte Gesellschaften, die von sich behaupten können, wortwörtlich eine saubere Rendite zu erzielen. Der britische Haushaltsreinigungshersteller McBride (London: MCB; Kurs: 66 p; Marktkapitalisierung 119 Mio. £) ist nicht nur eine davon, sondern ist gleichzeitig auch bestens positioniert. Immerhin gilt er in Europa als grösster Hersteller von Reinigungsmitteln für Eigenmarken.

Spezialisiert hat sich McBride etwa auf Produkte aller Art, die für die Sauberhaltung von Küche und Bad eingesetzt werden. Angesichts der deutlich gestiegenen Ansprüche an die Sauberkeit auch im eigenen Haus dürfte das An­gebot nun gefragter denn je sein. Bloss reflektiert sich dies noch nicht im Aktienkurs. Noch immer sind die Valoren rund ein Viertel weniger wert als Anfang Jahr, auch wenn sie am Montag ohne Neuigkeiten mit einem Kurssprung von 15% ein deutliches Lebenszeichen gegeben haben.

Altlasten belasten

Das ist auch dringend nötig, um sich für Investoren wieder interessant zu ­machen. Die jüngste Vergangenheit des 1860 in Manchester gegründeten Un­ternehmens war nicht gerade glorios. Der neue CEO Ludwig de Mot sah sich im Januar gezwungen, zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit eine Gewinn­warnung herauszugeben.

Versäumnisse hatten dazu geführt, dass bei McBride einiges aus dem Ruder lief. So gelang es der Gesellschaft nicht, die gestiegenen Rohstoffkosten an die Konsumenten weiterzugeben. Das belastete zuletzt die Jahresrechnung. Ein schlechtes Timing bewies der Vorgänger von CEO de Mot auch beim Verkauf des grössten Teils des Körperpflege­bereichs, der Shampoo, Mundspülung und Hautpflege umfasst.

Doch damit nicht genug: McBride hat eine hohe Verschuldung geerbt, die es abzubauen gilt. Dabei hilft einerseits, dass zuletzt der freie Cashflow ­wieder deutlich zugenommen hat. Andererseits dürfte die deutlich höhere Nachfrage nach Reinigungs- und Hygienemitteln in den kommenden Monaten den Umsatz antreiben.

Hilfe durch Aktivisten

Angesichts der durchzogenen Vergangenheit halten sich viele Investoren mit einem Engagement zurück und warten wohl erst einmal ab. Allerdings sind diese Altlasten in der Bewertung eingerechnet. Das Unternehmen wird mit dem Siebenfachen das geschätzten Gewinns für das Gesamtjahr 2020 bewertet. Reckitt Benckiser, der ungleich grössere Konkurrent, ist an der Börse derzeit dreimal höher bewertet.

Diese Diskrepanz ist auch an Teleios Capital Partners nicht vorbeigegangen. Der aktivistische Investor aus der Schweiz hat seine Position zwar ver­ringert, besitzt aber noch 23% an McBride. Gerade im aktuellen Umfeld wird er bestrebt sein, die Position mit Gewinn zu veräussern.

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