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Blogs / Momentum

Hot Corner: Immer auf Achse

Wolfgang Gamma
Der deutsche Nutzfahrzeugzulieferer SAF-Holland ist mit seiner Expansionsstrategie flott unterwegs.

Der Laden brummt. Das gilt für weite Teile der deutschen Industrielandschaft. Von der guten Konjunktur profitieren auch zahlreiche kleine Spezialisten. Im Nutzfahrzeugbau trifft dies auf den Zulieferer SAF-Holland (Börsenwert: 741 Mio. €) zu. Das Unternehmen aus dem fränkischen Bessenbach stellt Fahrwerkkomponenten und -baugruppen für Anhänger und Auflieger sowie für Lastwagen und Busse her.

Die Gruppe verfügt über Standorte in 28 Ländern. Europa (54%) und Nordamerika (38%) sind die grössten Marktregionen, während das Asiengeschäft (8%) noch im Aufbau begriffen ist. Die Wachstumsrate (+41% im ersten Halbjahr) unterstreicht aber, wie ernst es SAF-Holland (SFQ 16.115 1.48%) in der Region APAC/China meint. Bis 2020 sollen die Hauptmärkte nur noch zwei Drittel des Umsatzes erbringen.

Beachtliches Wachstum

Im zweiten Quartal knüpfte das im SDax-Unternehmen an die Leistung des ersten Quartals an. Der Umsatz nahm 9,7% (organisch +7,1%) zu. Für das erste Halbjahr errechnet sich ein Plus von 10,1% (organisch +7,4%) auf 587,6 Mio. €. Alle Marktregionen trugen zum Wachstum bei. Auch in den USA (+11,5%, organisch +5,4%) arbeitete die Gesellschaft besser, obwohl der Anhängermarkt zurückging. Das starke Wachstum sei «das Ergebnis der Investitionen und Entwicklungen der vergangenen Jahre», schrieb CEO Detlef Borghardt im Halbjahresbericht.

Die Ertragsentwicklung hielt mit diesem Tempo nicht Schritt, da in den USA Restrukturierungskosten anfielen. Bereinigt um diesen Sondereffekt übertraf der Ebit den Vorjahreswert um 1,5%. Die bereinigte Ebit-Marge lag mit 8,9% unter Vorjahr, aber höher als im ersten Quartal (8,7%). Für 2017 rechnet SAF-Holland mit einem Umsatz am oberen Ende der im Frühjahr genannten Spanne von 1,06 bis 1,09 Mrd. €. Die Ebit-Marge wird in der Mitte des Zielbands (8 bis 9%) gesehen.

Europa, die wichtigste Absatzregion für SAF-Holland, zeichnet sich 2017 durch eine solide Nachfrage aus. Die Lastwagenflotten der Logistiker sind in der Regel gut ausgelastet, wie Hersteller Volvo (VOLV A 158.1 -2.41%) schreibt. Daraus entsteht Bedarf nach grösseren und neuen Flotten. Nach Schätzungen der Marktforscher von Clear hat auch der Trailermarkt unerwartet leicht zugelegt.

In Nordamerika weist der Strassentransport auf der Langstrecke immer noch Überkapazitäten auf, doch wächst der regionale Vertrieb. Deshalb verspricht sich die Nutzfahrzeugindustrie insgesamt eine Erholung bis Ende Jahr.

Gut auf Kurs

Die jüngsten Zahlen unterstreichen, dass SAF-Holland mit der Strategie 2020 auf Kurs ist. Organisch peilt die Gruppe ein Wachstum von jährlich 4 bis 7% an. Dadurch soll der Umsatz in dem Zeitraum auf 1,25 Mrd. € steigen. Über Akquisitionen und Gemeinschaftsunternehmen sollen weitere 250 Mio. € dazukommen. Um der Zyklizität des Nutzfahrzeuggeschäfts entgegenzuwirken, hat SAF-Holland zudem das Servicegeschäft ausgebaut. Inzwischen erarbeitet der Bereich ein Viertel des Umsatzes und fast die Hälfte des Betriebsgewinns.

Die angepeilten Akquisitionen dürften sich in einer beschleunigten Gewinnentwicklung auswirken, schreibt das Wertschriftenhaus Berenberg. Die Expansion sollte dank einer diversifizierten Finanzierungsstruktur gesichert sein. Die Ratingagentur Euler Hermes (ELE 99.24 0.4%) hat im Frühjahr das BBB-Investment-Grade-Rating bestätigt. Operativ werden die Kosten 2018 durch die Reorganisation in den USA und eine günstigere Finanzierung sinken.

Die Aktien SAF-Holland sind trotz der jüngsten Kursfortschritte mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 für 2018 nicht überteuert.