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Hot Corner: Inspiration aus der Kochbox

HelloFresh verbindet viele Trends. Der deutsche Lieferdienst besetzt die Schnittstelle zwischen frischen Lebensmitteln und Restaurantservice.

Gabriella Hunter

Rindshüftsteak an feiner Pilzsauce oder doch lieber die vegetarische Variante – fruchtiges Tomatenrisotto mit schwarzen Oliven? Das sind nur zwei von unzähligen Kochboxen des deutschen Lieferdienstes HelloFresh (HFG 14.03 0.43%) (ETR: HFG, Kurs am Freitag: 12.20 €, Börsenwert 1,87 Mrd. €). Das Start-up beliefert 1,2 Mio. Kunden mit Rezepten und frischen Zutaten. Saisonal und biologisch, versteht sich. Nur kochen müssen die Hungrigen selbst.

2011 in Berlin gegründet, beschäftigt das Unternehmen bereits 2000 Mitarbeiter. Es verbindet verschiedene Trends: E-Commerce – bestellt wird im Internet –, nachhaltigen Konsum und den Wunsch, selbst Hand anlegen zu können. Damit hebt sich das Start-up von Lieferdiensten wie Eat.ch und Amazon (AMZN 1843.93 1.18%) ab, die sich entweder auf bereits gekochte Mahlzeiten oder normale Einkäufe konzentrieren. «Als Marktführer bei den Verpflegungskits ist HelloFresh sehr gut positioniert», schreibt etwa die Deutsche Bank (DBK 10.166 -1.36%).

Der Markt für Lebensmittelbestellungen ist gross. Berenberg schätzt das potenzielle Volumen auf 7,5 Mrd. € – heute werden davon nur gerade 2% online abgewickelt. Und der Lieferdienst besetzt eine spezifische Nische: die Schnittstelle zwischen frischen Lebensmitteln und Restaurantservice. Tatsächlich ist die Nachfrage nach den Rezeptboxen gross. Im laufenden Jahr hat HelloFresh den Umsatz verdoppelt. Noch schreibt sie zwar rote Zahlen. Der Verlust beträgt für 2017 mehr als 90 Mio. €. Der Break-even sei aber greifbar und dürfte gemäss Analysten noch im zweiten Halbjahr 2018 erreicht werden.

Dieses Jahr ist der seit langem geplante Börsengang gelungen. Seit dem 2. November werden die Aktien im Prime Standard der Börse in Frankfurt gehandelt. Der Ausgabepreis lag bei 10.25 €, was einer Kapitalisierung von 1,7 Mrd. € entsprach. Zwei Kaufempfehlungen haben die Titel seither beflügelt: Deutsche Bank und Berenberg haben die Valoren mit einem Kursziel von 12 beziehungsweise 14 € aufgenommen.

Trotz der vielversprechenden Marktposition birgt das Geschäftsmodell von HelloFresh Risiken. Andere Lieferdienste könnten die Idee imitieren und ähnliche Services lancieren. Mehr Wettbewerb dürfte die Marketingkosten nach oben treiben und gleichzeitig die Preise drücken. Entscheidend für den Erfolg des Lieferdienstes ist auch die geplante Automatisierung. Damit will das Unternehmen die Kosten für die Lieferung des Rindshüftsteaks oder des Tomatenrisottos massiv senken.

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