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Hot Corner: Jedes zweite Bier dank Gea

Die Prognosesenkung am Mittwoch hat den Maschinenbauer Gea Group 21% gekostet. Das aktuelle Kursniveau ist eine günstige Gelegenheit, in Gea Group einzusteigen.

Adrian Blum

Beliebte Aktien sind selten günstig zu haben. Eine solche Gelegenheit bietet sich derzeit in Gea Group (Frankfurt: G1A, Kurs: 37.78 €; Börsenkapitalisierung von 7,2 Mrd. €). Die im MDax enthaltenen Titel des Anlagenbauers, der seit 2004 vom Schweizer Jürg Oleas geführt wird, hatten dieses Jahr einen sehr guten Lauf – zumindest bis Mittwoch.

Vor zwei Wochen präsentierte der Düsseldorfer Konzern an einem Investorentag seine Strategie und seine Ziele. Nichts deutete auf schlechte Nachrichten hin, die Präsentation vermochte aber auch keine positiven Impulse zu geben. Die Aktien dümpelten seitdem vor sich hin. Nun aber der Schock: Das Unternehmen publizierte am Mittwoch nach Börsenschluss eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das Gesamtjahr, was die Aktien auf eine steile Talfahrt schickte. Sie verloren bis Freitag 20% und kommen damit auf ein marginales Plus von 1% seit Jahresbeginn.

Führende Marktpositionen

Gea Group konzentriert sich auf Prozesstechnik und Komponenten für Produktionsprozesse in unterschiedlichen Endmärkten. Zu den Produktgruppen gehören Anlagen zum Verpacken, Abfüllen, Brauen, zur Abluftreinigung und zur Fertigung flüssiger Nahrungsmittel. Dazu kommen Kältetechnik, Lebensmittelverarbeitung und pharmazeutische Anlagen.

Der Konzern erzielte 2015 mit einem Umsatz von 4,6 Mrd. € und einer Ebit-Marge von 11,7% einen Gewinn von 264 Mio. €. 70% der Einnahmen stammen aus der Nahrungsmittelindustrie, primär aus dem Segment Milch.

Gea Group setzt auf führende Marktpositionen und beschreibt dies so: Gea-Anlagen brauen rund jeden zweiten Liter Bier, verarbeiten jedes dritte Chicken-Nugget sowie ungefähr ein Viertel der Milch und stellen zudem jede dritte Kaffeeverarbeitungslinie her. Aus der Pharma/Chemieindustrie stammen rund 20% der Einnahmen.

Gründe für die Umsatz- und Gewinnwarnung gibt es gleich mehrere. Es kam in einigen Bereichen zu Projektverzögerungen, in anderen Teilbereichen zu Nachfrageschwäche, und in anderen wurden Aufträge verschoben. Dazu kamen Kostenüberschreitungen bei einigen wenigen Grossprojekten plus Rückstellungen. Die tiefere operative Auslastung drückte die Marge nach unten. Die Belastungen erreichen kumuliert ein Niveau, das durch Gegenmassnahmen nicht mehr kompensiert werden kann, hiess es, auch wenn sich das restliche Geschäft wie erwartet entwickelt habe.

Mittelfristige Chancen intakt

Statt moderatem Umsatzanstieg gibt es 2016 moderaten Umsatzrückgang. Das Ergebnis vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) erreicht 570 Mio. € statt wie erhofft 645 bis 715 Mio. €.

Die am Kapitalmarkttag gegebenen Mittelfristziele 2020 werden aber «in jeder Hinsicht bestätigt». Der Umsatz soll organisch jährlich 4 bis 6% wachsen. Der Anteil des Servicegeschäfts an den Einnahmen soll von zuletzt knapp unter auf mehr als 30% gesteigert werden. Das erhöht die Stabilität der Einnahmen. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Roce) soll 20 bis 25% (2015: 14,6%) betragen. Diese Ziele sind vielversprechend.

Ein Teil der Ursachen der jüngsten Umsatz- und Gewinnwarnung dürfte vorübergehender Natur sein. Der Kurssturz dieser Woche hat auch etwas mit dem Thema Vertrauen zu tun. Marktteilnehmer reagieren empfindlich, wenn es kurz nach einem Investorentag zu so einer Prognosekorrektur kommt. Ausserdem waren die Titel dieses Jahr einfach schon zu gut gelaufen. Angesichts der langfristigen Wachstumschancen des Unternehmens und des Megatrends in der Nahrungsmittelindustrie ist das aktuelle Kursniveau eine günstige Gelegenheit, in Gea Group einzusteigen.