Blogs / Momentum

Hot Corner: Kiffer-Konzern

Das kanadische Unternehmen Aurora Cannabis hat 1,2 Mrd. kan. $ für den Konkurrenten CanniMed Therapeutics geboten. Damit soll der weltgrösste Cannabisproduzent entstehen.

Martin Gollmer

In immer mehr Teilen der Welt wird das Rauschmittel Cannabis legalisiert, wenn auch manchmal nur für medizinische Therapien oder zu Forschungszwecken. Ein Vorreiter ist dabei Kanada. Cannabis ist dort für medizinische Anwendungen schon seit 2001 legal. Noch in diesem Sommer soll es für Erwachsene auch zu Entspannungszwecken freigegeben werden. Noch laufen allerdings politische Rangeleien um den nicht unumstrittenen Gesetzesentwurf der liberalen Regierung unter Premierminister Justin Trudeau. Kanadische Medien erwarten die Verabschiedung des Gesetzesentwurfs durch das Parlament im Mai. Im Juni müsste der Legalisierungsentscheid dann nochmals bestätigt werden.

Seit der Teillegalisierung 2001 sind in Kanada zahlreiche Unternehmen entstanden, die Cannabis anbauen und vertreiben. Aktuell sind achtundachtzig Produzenten zugelassen, die die Substanz zum medizinischen Konsum anbieten. Die absehbare Entwicklung hin zur völligen Freigabe hat eine Konsolidierungswelle ausgelöst. Die Cannabisfirmen versuchen, durch Übernahmen die kritische Grösse zu erhalten, um im liberalisierten Markt die grosse Nachfrage stillen zu können.

Die kanadische Regierung erwartet, dass aufgrund der vollständigen Legalisierung 4,6 Mio. Einwohner jährlich 655‘000 kg Cannabis konsumieren werden und dafür zwischen 4,2 und 6,2 Mrd. kan. $ ausgeben. Die jährlichen Wachstumsraten sollen 10% und mehr betragen.

Zu den Konsolidierern unter den einschlägigen kanadischen Unternehmen gehört Aurora Cannabis (ACB 2.23 +9.31%) (TSX: ACB, 9.63 kan. $ am Freitag, 4,7 Mrd. kan. $ Marktkapitalisierung). Der zweitgrösste Cannabisanbieter des Landes hat Ende Januar – reichlich teure – 1,2 Mrd. kan. $ in bar und Aktien für den kleineren Konkurrenten CanniMed Therapeutics geboten. Damit soll der nach Marktkapitalisierung weltgrösste Cannabisproduzent entstehen.

Zusammen verfügen die beiden Unternehmen über eine Produktionskapazität von 260‘000 kg pro Jahr – und wenn sie alle geplanten Projekte realisieren, über 40 000 Patienten in medizinischen Programmen und eine starke internationale Präsenz. Über Tochterfirmen und Beteiligungen ist Aurora in Europa (vor allem Deutschland, Dänemark und Italien) und in Australien aktiv.

Konsolidierte Ertragszahlen liegen noch nicht vor. Aurora will im Geschäftsjahr 2018/19 erstmals Gewinn schreiben (bei einem geschätzten Umsatz von 250 Mio. kan. $), CanniMed schon im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 (bei einem Umsatz von 40 Mio. kan. $).

In Erwartung der vollständigen Freigabe von Cannabis haben die Aktien von Produzenten der Droge überaus kräftig zugelegt. Die Titel von Aurora stiegen vom Frühjahr 2017 bis Januar 2018 rund 350%. Danach stürzten sie innerhalb von Tagen 45% ab. Seither haben sie sich wieder etwas erholt. Fraglich, ob damit schon alle Luft aus der spekulativen Blase entwichen ist, die sich um Cannabisvaloren entwickelt hat. Interessierte Anleger, die Geduld haben, warten deshalb am besten eine weitere Schwächephase der Aurora-Papiere ab, bevor sie einsteigen.