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Hot Corner: Kifferkontrolle

Rund um den Globus schreitet die Legalisierung von Cannabis voran. Zu den treibenden Kräften zählen dabei die USA. Gleich mehrere Bundesstaaten haben über die vergangenen Jahre den Verkauf, den Besitz und den Konsum der berauschenden Substanz freigegeben.

Frank Heiniger

Den jüngsten Erfolg konnten die Cannabis-Befürworter in Kalifornien feiern. Der bevölkerungsreichste Landesteil erlaubt medizinische Anwendungen zwar schon seit 1996. Mit der Abstimmung von Anfang November wird Cannabis nun aber auch für den privaten Freizeitgebrauch zugelassen.

Enorme Wachstumsraten

Das Cannabis-Geschäft hat sich im Zuge der Liberalisierung zu einem respektablen Wirtschaftszweig gemausert. Analysten schätzen den legalen Jahresumsatz allein in den USA inzwischen auf über 7 Mrd. $. Und setzen sich die aktuellen Entwicklungen fort, dürften die Volumen gemäss dem Finanzmagazin «Forbes» bis 2020 rund 22 Mrd. $ erreichen.

Angesichts des hohen Wachstumspotenzials erstaunt es kaum, dass immer mehr Unternehmen versuchen, sich ein Stück dieses «Space Cake» abzuschneiden: Dutzende börsengelisteter Gesellschaften kämpfen um Marktanteile – darunter Produzenten medizinischen Marihuanas, Biotech-Unternehmen, die sich auf die Erforschung der enthaltenen Wirkstoffe konzentrieren, oder Immobilienmakler, die Anbau- und Lagerflächen vermitteln.

Hochriskante Wette

Die Liberalisierung hat allerdings auch ihre Schattenseiten: Im Strassenverkehr dürfte die Zahl bekiffter und damit in ihrer Reaktionsfähigkeit beeinträchtigter Automobillenker zunehmen. Während Atemtests für den raschen Nachweis von Alkohol weit verbreitet sind, sind entsprechende Pendants für Cannabis noch Mangelware.

Mehrere Unternehmen wollen hier Abhilfe schaffen. Zu den vielversprechenden Kandidaten gehört die im kanadischen Burnaby  domizilierte Cannabix Technologies. In Kollaboration mit Forschern der University of Florida entwickelt Cannabix den Marijuana Breathalyzer, ein portables Testgerät, das über den Atem innerhalb von zwei Stunden Spuren des berauschenden Wirkstoffs THC nachweisen soll.

Ein solches Gerät – das allerdings noch in der Beta-Phase steckt – könnte laut Cannabix nicht nur für polizeiliche Zwecke genutzt werden. Denkbar wäre auch der Einsatz in der Privatwirtschaft – etwa überall dort, wo eine Beeinträchtigung durch THC potenzielle Sicherheitsrisiken darstellen würde.

Eine Investition in Cannabix ist eine hochriskante Wette darauf, dass das Unternehmen – das im Geschäftsjahr 2015/16 einen Verlust von 0.01 kan. $ pro Aktie geschrieben hat – ein Gerät zur Marktreife bringen kann. Zu den Risiken zählen die geringe Handelsliquidität, die inexistente Analystenabdeckung sowie der Kurssprung 2016, der Gewinnmitnahmen begünstigen dürfte.