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Hot Corner: König der Landstrasse

Seit 1941 zahlt der US-Lastwagenhersteller Paccar eine Dividende. Obwohl das Geschäft sehr zyklisch ist.

Alexander Trentin

Qualitätsaktien sind im jetzigen Börsenumfeld äusserst beliebt. Einen Lastwagenhersteller erwartet man wohl kaum unter diesen Titeln. Doch die amerikanische Paccar (PCAR 71.53 0.48%) (Nasdaq: PCAR, 70.78 $, Marktkapitalisierung: 24.5 Mrd. $) stellt nicht nur «Quality Trucks» her, sondern hat dem zyklischen Transportgeschäft eine Menge Stabilität abgetrotzt. Das Management von Paccar scheint vieles richtig zu machen.

Das Geschäft mit Lastwagen und Teilen ist mit einer Bruttomarge von 15% hochprofitabel und wurde vom Management gut vorangetrieben. Der Gewinn je Aktie ist ausser 2016 jedes Jahr seit dem Krisenjahr 2009 gestiegen. Im Durchschnitt um 20% p. a. Selbst 2009 schrieb das Unternehmen keinen Verlust – man ist seit achtzig Jahren profitabel.

Auch für Dividendeninvestoren ist das Unternehmen ein schöner Fang. Seit 1941 hat man nie eine Dividendenzahlung ausfallen lassen. Vergangenes Jahr betrug die Dividendenrendite fast 5%. Etwa die Hälfte des Nettogewinns wird an die Aktionäre ausgeschüttet.

Zu Paccar gehören die US-Marken Kenworth und Peterbilt sowie der niederländische Hersteller DAF. Seit Anfang Jahr legte der Kurs gut ein Fünftel zu. Und das, obwohl die Analysten sich alles andere als euphorisch gegenüber dem im US-Bundesstaat Washington sitzenden Unternehmen äussern.

Nur vier von fünfundzwanzig Analysten empfehlen gemäss Bloomberg, die Titel aufzustocken. Im Mittel der Schätzungen erwarten sie kein Kursplus über die nächsten zwölf Monate. Oft gehörtes Argument: Der Zyklus in der amerikanischen Truck-Nachfrage scheint allmählich seine Spitze zu erreichen. Die Nachfrage könnte schon im nächsten Jahr enttäuschen. Der Gewinn zurückgehen.

Für das Unternehmen spricht eine zumindest nicht übermässige hohe Bewertung gegenüber dem historischen Vergleich – das laufende Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei unter 11. Im Vergleich: 2017 ist das KGV schon einmal über 15 geklettert. Auch die Bewertungskennziffer Unternehmenswert zu Ebitda (5,3) erscheint attraktiv.

Eine Aktienauswahl von Société Générale bestätigt die gute Bewertung, wenn man Kriterien der Value-Legenden Benjamin Graham und James Rea anwendet. Gemäss deren Indikator sollten günstige Aktien hohe Gewinn- und Dividendenrenditen, ein kleines KGV und einen geringen Kurs-Buchwert aufweisen. Dazu kommen Risikoindikatoren wie die Verschuldung, Liquidität und stabiles Gewinnwachstum.

In den nächsten Jahren könnten Indien und China eine Wachstumsgelegenheit bieten, wenn dort der Schadstoffstandard Euro 6 durchgesetzt wird. Im Mai erklärte das Management bei einer Analystenkonferenz aber, dass für den Einstieg in China die Zeit noch nicht gekommen sei – Hersteller kämpften dort mit grossen Überkapazitäten.

Paccar investiert dieses Jahr 340 Mio. $ in Forschung und Entwicklung. Man testet Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Auch an selbstfahrenden Lkw wird gearbeitet.

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